12.6.18 POTSDAM: ZWISCHEN WALDSTADT UND RAVENSBERGEN

Treffpunkt/Start: Potsdam-Rehbrücke, Bahnhof 10:45 (Anfahrt RE 7 Richt. Dessau/Bad Belzig, ab Ostkreuz 9:59).

Ich erwarte Sie auf dem Bahnsteig!

Rückfahrt jederzeit innerhalb Potsdams bzw. von Potsdam Hbf

Wegstrecke ca. 7 km mit Pausen

Preis inklusive Führung, Eintritt ab 7,-€; Fahrkosten (ggf. Berlin ABC) und Verpflegung individuell

 

Das Waldgebiet reicht vom Potsdamer Wohngebiet Waldstadt im Osten bis zum Ufer des Templiner Sees und Caputh im Westen. Die höchsten Erhebungen sind der kleine (114 m) und der große (108 m) Ravensberg. Das kuriose ist das der kleine etwas höher als der große ist.

Es geht auf unserer kleinen Wanderung zur Engelsquelle, vorbei am Schlangenfenn, zum Teufelssee, dann auf den Großen Ravensberg mit dem „Waldhaus“ und schließlich vorbei am „Falkenhof“ wieder zurück in die „Waldstadt“. Am Waldhaus schauen wir auf einige gefiederte Gäste, in den Geschiebegarten, eine Ausstellung, leider ist der „Falkenhof“ heute nicht geöffnet. Unsere heutige Wanderung ist eine Wanderung zur Erdgeschichte aber auch zu Sagen und Geschichten….

In einem Material, dass die „Braumanufaktur Templin“, ein beliebtes Ausflugslokal in der Gegend, herausgab, steht einiges Interessante zu Quellen im Forstgebiet zwischen Waldstadt, Templin und Schwielow. Zu den Quellen am Springbruch: „Wenig auffällig sickert ihr Quellwasser am Hangfuß in einem Erlendickicht unter Baumwurzeln hervor. 250m weiter in Richtung Teufelssee rinnt das Wasser der Engelsquelle über den Weg. Die morastigen Tümpel lassen nichts mehr von dem großen Interesse ahnen, das ihnen und den Quellen am Havelufer im 19.Jh. entgegengebracht wurde. Zwischen 1814 und 1819 beobachtete der Berliner Physiker Paul Erman, der als Schwiegersohn des Lederfabrikanten Hitzig oft in Potsdamm weilte, systematisch die Temperatur der Quellen und veröffentlichte darüber eine wissenschaftliche Abhandlung. Er fand eine mittlere Temperatur der Quellen von etwa 10°C, die nicht mit der mittleren Lufttemperatur übereinstimmte und musste damit die von Alexander von Humboldt und anderen geübte Praxis, aus den Quelltemperaturen im Schnellverfahren Rückschlüsse auf die mittlere Lufttemperatur eines Ortes zu ziehen, verwerfen.

Der Geograph und Kartograph Heinrich Berghaus, der von 1839 bis 1848 eine Ausbildungsstätte für Kartographen, die geographische Kunstschule in Potsdam am Brauhausberg leitete, nahm die Beobachtungen der Quelltemperaturen in den Jahren 1839 bis 1844 noch einmal auf. Er wanderte regelmäßig, mindestens vier mal im Monat, an einem Nachmittag nacheinander die Quellen am Springbruch und an der Havel ab, wobei an kurzen Wintertagen zur Beobachtung des Thermometers Laternenlicht zu Hilfe genommen werden musste. Seine Messungen bestätigten die Beobachtungen Ermans. Bei der Engelsquelle – Berghaus nannte sie Röhrenquelle – floss das Wasser aus einem Rohr. Daneben gab es noch zwei weitere frei abfließende Quellen. Am Etablissement Templin strömte das Quellwasser in reichlichen Mengen (nach Erman 11.826.000 Pfund Wasser pro Jahr) aus einem Eisenrohr in der Steinwand und lieferte das Trinkwasser für die Bewohner des Anwesens. Etwa 600m weiter lag am Havelufer eine weitere Quelle, die Berghaus als Vortempliner Quelle

bezeichnete. Allen Quellen war gemeinsam, dass ihr temperiertes Wasser Fröschen und Insekten auch im Winter noch ein munteres Leben ermöglichte und die Uferpflanzen grün hielt. Berghaus schlug 1844 Friedrich Wilhelm IV., der schon am großen Ravensberg landschaftsgestalterische Maßnahmen veranlasst hatte, die Verschönerung der Springbruchquelle und ihrer Umgebung vor.

Daraufhin erhielt der Schlossbaumeister Hesse den Auftrag, die Quelle nach dem Vorbild des heilkräftigen Teiches Bethesda bei Jerusalem zu gestalten. Das war schwierig, denn der Teich war nur aus einem Hinweis in der Bibel bekannt. Die Arbeiten begannen 1846. Es wurde ein vier- eckiges Sammelbecken gemauert. Über eine Spurwand floss das Wasser in über 1m hoher Kaskade in den Abflussgraben zum Springbruch. Um drei Seiten des

Beckens zog sich eine Bank, auf deren Lehne unter einem Baldachin die Sandsteinstatuette eines Engels stand.

Nach dem biblischen Text hatte der Engel die Aufgabe, von Zeit zu Zeit das Wasser des Teiches Bethesda aufzuwühlen. Der jeweils erste Kranke der in das heilsame Wellenbad stieg, konnte mit einem Erfolg der Gesundung rechnen. Neben dem Engel waren noch andere Skulpturen geplant, die aber nicht ausgeführt wurden. Seitdem hieß die Quelle Engelsquelle oder Engelsbrunnen. Schon 1875 war der Engel durch Mutwillen verstümmelt. 1906 empörte sich der Vorsitzende der

Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg, E. Friedel, über die Denkmalzerstörungswut: „Es muss Menschen geben, denen etwas Reines, Unentweihtes ein Gräuel ist, und solche waren es wohl,

die im Frühling dieses Jahres roh und pietätlos den Ort geschändet und die Engelsfigur herabgestürzt haben“. Heute sind die Baulichkeiten verschwunden, nur verwilderte Ziersträucher erinnern noch an einen

einstmals gestalteten Platz. Dagegen steht noch am Fuß der Havelabhänge in der Nähe von Templin die Einfassung der Quelle, die wahrscheinlich mit Berghaus Vortempliner Quelle identisch ist und nach dem Bau des Berliner

Reichsbahnaußenringes versiegte. Die Mauer wurde um 1844 von Stüler nach Motiven des Einganges der Grabeskirche zu Jerusalem errichtet. Die Nachbildung biblischer Stätten spiegeln die damals aktuellen Missions -und Kolonisationsbestrebungen gegenüber dem Heiligen Land, denen auch Friedrich Wilhelm IV. zugetan war, wider.“

Weiterhin werden in dem Material die Sage um die Templiner Quelle und um die Grotte von Vortemplin zitiert, dort waren wir schon einmal bei unserer Wanderung von Potsdam zum Forsthaus (Braumanufaktur) Templin bzw. weiter nach Caputh. Das können wir aber später gern noch mal wiederholen.

Eine Sage, die hier gern zitiert werden soll, ist die vom Teufelssee:

„Am Fuße des Ravensberges, einer 200 Fuß hohen waldigen Bergspitze, unweit Bergholz, befindet sich der Teufelssee, ein schwarzer unergründlicher Pfuhl, umgeben von alten, dunkelgrünen Kiefern, die seine Oberfläche noch Dunkler machen; aus seinem Gewässer trinkt kein Vogel und nur eine einzige Art sonderbarer schwarze Fische hält sich in ihm auf.

Da, wo er sich jetzt befindet, soll früher ein Götzenbild gestanden haben, zu welchem die Wenden auch noch nach ihrer Bekehrung zum Christentum heimlich des Nachts bei Mondschein pilgerten und ihm opferten. Das Bild aber hat einst der Teufel bei Nacht weggenommen und sei eigenes an dessen Stelle gesetzt und die dummen Wenden haben den Tausch nicht gemerkt, da sie eben nur des Nachts hinkamen, und so den Teufel selbst angebetet. Es hat aber die christliche Geistlichkeit sich eifrig bemüht, diesem heidnischen Götzendienst ein Ende zu machen und der Bischof von Brandenburg hat zu Saarmund im Kloster ein Ketzergericht niedergesetzt und dieses hat alle, so der Sünde der Heidnische Ketzerei überwiesen wurden, hinrichten lassen. Dann aber hat der oberste Ketzerrichter, ein durch seine Teufelsbeschwörungen berühmter Mönch aus Italien, den der Bischof zu diesem Zwecke dorthin hatte kommen lassen, die Ritter und Herren, sowie die Bürger und Bauern des ganzen Sprengels aufgefordert, zusammen zu kommen und mit ihm von Saarmund auszuziehen und

das Götzenbild, das man freilich nur vom Hörensagen kannte, da jeder Christ, der sich demselben bisher hatte nähern wollen, durch teuflische Verblendung im Walde in der Irre herumgeführt worden war, zu zerstören.

Als der Zug am frühen Morgen aus dem Kloster auszog, war der schönste reinste Himmel, je näher man aber dem Fuße des Ravensberges kam, desto dunkler ward er und schwere Gewitterwolken türmten sich über dem Gipfel desselben auf. Endlich gelangte die Prozession in später Nachmittagsstunde an die runde Mooswiese im Grunde des Tals, in deren Mitte unter dem uralten Kreise von fast abgestorbenen Kiefern das Götzenbild vor dem Opfersteine stand. Um diese Wiese schritt nun der Mönch, geheimnisvolle Gebete murmelnd, mit dem Weihwasser, pflanzte am Rande derselben kleine Kreuze von geweihtem Holze hin und stellte sich dann außerhalb des so bezeichneten Ringes dem Götzenbilde gegenüber mit seinen Gehülfen und den heiligen Geräten auf. Hierauf begann er seine Beschwörungen, allein bei den ersten Worten derselben begann sich die finstere Wetterwolke ins Tal herab zu senken, schwere Regentropfen und Hagel prasselten aus derselben herab und eine gewaltige Windsbraut bog die Wipfel der Bäume tief herab zur Erde, helle Blitze jagten einer nach dem anderen und furchtbares Donnergrollen übertönte die Stimme des

Beschwörers. Allein dieser ließ sich nicht irre machen, immer lauter erhob er seine Stimme und es gelang ihm auch, sich bei dem Wüten der Elemente hörbar zu machen; als er aber mit dem Kruzifix in der einem und dem Weihwasser in der anderen Hand sich dem Kreise näherte, da erschollen von allen Seiten aus der Erde und den Lüften so furchtbare, nie gehörte Laute, dass alle Anwesenden erschreckt auf ihre Knie sanken, der Mönch aber setzte furchtlos seinen Fuß über den Kreis, und siehe die Erde um das Teufelsbild barst auseinander, es versank in die Tiefen. Und seit dieser Zeit erfüllt ein schwarzer See den Boden des Tales.“

 

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