22.5.18 In die Flößerstadt Lychen

Treff: ab 9:20 Berlin Hbf tief, zur Abfahrt des RE 5 Richt. Stralsund 9:42 (Gleis 5/6, auf akt. Gleis selbst achten), mit Umstieg in Fürstenberg/Havel; Rückfahrt dito, spätestens Berlin Hbf tief an 19:16 Uhr

Dauer vor Ort ca. 4 Std. mit Pausen

Preis 16,-€, inkl. Führung, Vorbereitung, Begleitung, Fahrkosten ab Bln-Hbf tief, „65 plus“- Ticket-Nutzer/innen zahlen 8,-€

Wer später zusteigen will, bitte rechtzeitig vorher anmelden, damit er/sie auf dem Ticket Berücksichtigung finden kann. Fahrt im 2. Wagen in Fahrtrichtung vorn.

Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahr 1248 als in Liechen. Die Schreibweise Lychen gilt für 1299 als nachgewiesen. Erste Funde einer Besiedlung des Ly chener Gebiets stammen aus der Mittleren Steinzeit. Im Zuge der Völkerwanderung (5.–6. Jahrhundert) siedelten sich Slawen an. Ihre Siedlungen legten sie auf Inseln und Halbinseln an und errichteten Fluchtburgen, wie z. B. den Burgwall (jetziges Hotel „Lindenhof“) auf einer Halbinsel im Wurlsee.

Der hier siedelnde Stamme waren die Riezanen, die mit dem Lutizenbund angehörten, die lange den aus Westen anrückenden Deutschen Widerstand entgegensetzten. Erst Auseinandersetzungen innerhalb des Bundes verbunden Raubzügen der Dänen aus dem Norden und Eroberungsgelüsten der Polen aus dem Osten trugen Mitte des 11. Jahrhunderts zur Schwächung des Bundes bei. Zu slawischer Zeit befand sich hier die „Terra Lychen“.

Eine Wanderung rund um den Wurlsee und den Nesselpfuhl wäre auch mal eine Idee für eine Lychen-Wanderung. Es gibt aber noch viele Möglichkeiten für Wanderungen, Spaziergänge und Ausflüge im Gebiet. Beispielsweise biete ich am 15. August eine Ausflugstour per Bus mit Floßfahrt auf dem Oberpfuhl in Lychen an.

Die Flößerstadt Lychen liegt im Naturpark Uckermärkische Seen, im Land Brandenburg, reizvoll eingebettet zwischen 7 Seen und endlos erscheinenden Wäldern. Zu Wasser entdeckt man die wunderschöne Seenlandschaft mit Kanus, Ruder- und Solarbooten sowie mit dem Floß oder dem Fahrgastschiff. An Land erforscht man die Natur am besten zu Fuß, per Rad, mit der Draisine oder dem Maultier. Besonders sehenswert sind das Flößereimuseum, die St. Johanneskirche (13. Jahrhundert), das Rathaus und die teilweise gut erhaltene Stadtmauer.

Wir starten unseren Stadtspaziergang an der Berliner Straße.

Links vielleicht ein kurzer Blick zum Wurlsee, rechts hinter der früheren Bahnstrecke (heute nur noch per Draisine „betrieben“) den Großen Lychensee nur erahnend, nähern wir uns der Stadt. Über einen Damm geht es zwischen Nesselpfuhl und Stadtsee hindurch.

Die Eröffnung der Bahnstrecke Britz–Fürstenberg im Jahre 1899 brachte eine Entwicklung der Wirtschaft Lychens mit sich.

Am Stadtsee befindet sich die Anlegestelle des Fahrgastschiffes „Möwe“.

Bald erinnert man uns an einen Erfinder, der hier lebte, Johann Kirsten erfand die Reiß- oder Heftzwecke, auch „Pinne“ genannt – und so nennt man auch einen Stadtrundgang durch Lychen den „Pinnenpfad“.

Das Fürstenberger Tor ist eines der einst drei Stadttore Lychens, das wie das Stargarder Tor noch in zwei deutlichen Resten an der Stadtmauer erhalten ist.

Links unten liegt wieder der Nesselpfuhl. An der Postablage wurde das erste Mal das Thema „Flößerei“ gewürdigt.

In früheren Jahrhunderten gehörte die Flößerei zu den wichtigsten Erwerbszweigen der Stadt. Dabei wurde nicht nur das Nutzholz zu Flößen zusammengefügt und vor allem zu größeren Bauvorhaben in oft wochenlanger Arbeit gebracht, sondern auf den Flößen transportierten die Menschen auch andere nicht verderbliche Waren.

Der Köppensgang steht für eine Lücke in der Stadtmauer, ein Nottor, das vor allem für den Zugang der Waschfrauen zum See vorgesehen war.

Die Kirche St. Johannes ist das beherrschende Wahrzeichen der Stadt Lychen. Auf der höchsten Erhebung der Altstadt erbaut, prägt sie bis heute das Stadtbild. Die Kirche ist – wie einst üblich – in Ost-West-Richtung erbaut worden. Im Osten liegt der Chorraum mit dem Altar, im Westen erhebt sich der Glockenturm. St. Johannes war einst (bis 1763) von einem Kirch- und Friedhof umgeben, der größer war als der jetzige Kirchplatz. Die Kirche hat einen mächtigen Feldsteinsaal mit barocker Ausstattung.

Nach einem kurzen Blick auf den Markplatz und zum Rathaus geht es hinüber zu der früheren Stadtmühle. Bis 1992 wurde in der Mühle, mitten im Stadtzentrum von Lychen, Mehl gemahlen.

Seit August 2014 gibt es in der ehemaligen Werkstatt im Erdgeschoss die kleine Mühlenwirtschaft.

Leider haben wir jetzt noch keine Zeit für einen Besuch, wir gehen – vorbei an der Stadtinformation bis zum Stargarder Tor. Hier bietet sich an die „Sage von der Flucht Hans von Quitzows aus dem Stargarder Tor“ zum Besten zu geben.

Hinter dem Stargarder Tor finden wir das erwähnte Flößermuseum, wohin wir vielleicht zum Schluss noch mal zurückkehren und – etwas unfällig – daneben auf einem Hügel den Standort des 1938 geschändeten Jüdischen Friedhofs. Juden hatten durchaus eine wichtige Bedeutung in früheren Zeiten der Stadtgeschichte, einiges liegt aber auch im Dunkeln.

Unterhalb am Oberpfuhl finden wir die Einstiegstelle zum Flößen oder Kanufahren der Firma Treibholz.

Wir gehen entlang des Oberpfuhls südwärts, treffen dabei auf romantische Ecken wie den Malerwinkel. Der Oberpfuhl ist fast unabhängig vom Wetter immer spiegelglatt. Am Ende des Weges erreichen wir das alte Wehr und auch den Standort des früheren Templiner Tores.

Auf einiges weitere, zum Beispiel auf die Geschichte des Sanatoriums Hohenlychen, weise ich am Rande hin.

Nun geht es – mit verschiedenen Rastmöglichkeiten in Richtung Marktplatz zurück, von wo aus wir per Bus via Fürstenberg (Havel) nach Berlin zurückkehren.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Märkische Städte, Natur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*