13.1.18 Bahntour in die Ringelnatzstadt Wurzen

Treffpunkt: Bahnhof Berlin-Ostbahnhof 6:45, Fahrt mit RE 7 via Dessau, Leipzig ab 7:03, Zustieg davor oder danach möglich, bitte rechtzeitig Bescheid geben. Wir fahren im vorderen Zugteil, 1. oder 2. Zustieg von vorn -Rückkunft via Leipzig, Calau an Ostkreuz 19:58

Preis inkl. Fahrkosten (Wochenendticket) ab Treffpunkt am Ausgangsbahnhof, Führung, Begleitung 27,-€ p.P.

 

Zu den berühmtesten Söhnen der Stadt gehört Joachim Ringelnatz, der bürgerlich Hans Gustav Bötticher hieß. Er wurde am 07. August 1883 in Wurzen geboren. Bekannt wurde Ringelnatz vor allem für seine humoristischen Gedichte um die Kunstfigur, dem Seemann “Kuttel Daddeldu” und die heute noch berühmteren “Turngedichte”, in denen er den damaligen völkischen Körperkult parodierte.

Aber auch viele Wortspielereien, die man später und bis heute von Humoristen und Conferenciers kennt, mindestens von Heinz Ehrhardt bis Otto Waalckes mögen irgendwie von Joachim Ringelnatz inspiriert gewesen sein… Aber auch die Geschichte der Familie Bötticher ist interessant und steht für die Geschichte der Stadt Wurzen und ihrer Gewerbe, insbesondere die Teppichfabrikation…

Zuvor aus dem elektronischen Nachschlagewerk etwas zur Geschichte der Stadt: Auf der Wurzener Stadtflur (Crostigall) konnte durch jüngere archäologische Grabungen eine Siedlungskontinuität v on etwa 6000 Jahren nachgewiesen werden. Bis ins 6. Jahrhundert war die Region germanisch besiedelt. Die ältesten (?) Siedlungszellen der heutigen Stadt sind – wie der Ortsname – slawischen Ursprungs. Wurzen wird erstmals 961 in einer Urkunde Ottos I. als Vurcine und Civ itas erwähnt. Die Burg und die Marktsiedlung bezogen ihre Bedeutung aus ihrer Lage am Übergang der Via Regia über den Fluss Mulde und deren Kreuzung mit einer alten Salzstraße von Halle nach Prag. Wurzen gehörte zeitweise zum Bistum Merseburg und kam nach 995 an das Bistum Meißen. Bischof Herwig gründete 1114 das Kollegiatstift Wurzen, das im 16. Jahrhundert protestantisch wurde und noch besteht (Domkapitel).

Eine Marktsiedlung wurde östlich der älteren Burgsiedlung um 1150 von den Bischöfen von Meißen angelegt. Der Landesausbau, vor allem durch die Ansiedlung von Bauern aus den westlichen Reichsgebieten („Kührener Ansiedlungsv ertrag“ 1154 für 15 flämische Bauernfamilien) und das

Begründen einer eigenen weltlichen Territorialherrschaft (Wurzener Land) ließen die Rolle der neu gegründeten Marktsiedlung als zentralen Ort rasch wachsen. Die Entwicklung der Stadt erreichte im 15. und 16. Jahrhundert einen Höhepunkt, als die Bischöfe von Meißen zeitweise hier residierten und eine nennenswerte Bautätigkeit entfalteten (Schloss, Domerweiterung, Stadtkirche St. Wenceslai). Nach der Teilung der wettinischen Lande (1485) wurde die Schutzherrschaft über Wurzen und das Wurzener Land

von den Ernestinern und Albertinern gemeinsam ausgeübt. Beide Linien waren letztendlich auf eine Säkularisation des bischöflichen Territoriums aus, was u. a. 1542 zur sogenannten „Wurzener Fehde“ („Fladenkrieg“) führte. Wurzen und das die Stadt hauptsächlich östlich der Mulde umgebende sogenannte „Wurzener Land“ gehörten bis 1581 nicht zu den wettinischen Landen, sondern waren weltlicher Besitz der Bischöfe von Meißen, die mehrmals, seit 1487 immer häufiger und länger, in Wurzen residierten. Auch nach der „Kapitulation“ und „Resignation“ des letzten Bischofs Johann von Haugwitz 1581 wurde das Gebiet noch bis 1818 v on einer eigens eingesetzten kursächsischen Stiftsregierung verwaltet. Erst danach kam das Wurzener Land als Amtsbezirk im eigentlichen Sinne zu Sachsen. Fünf Personen gerieten in Hexenprozesse, ein Mann wurde 1570 wegen des Vorwurfs der Zauberei mit „Leibesfrüchten“ gerädert, eine Frau

starb in der Haft. Im 17 . und 18. Jahrhundert erfolgte der durch Pestepidemien (besonders 1607), Stadtbrände und Kriegsfolgen verursachte wirtschaftliche und demografische Niedergang der Stadt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1637 („Wurtznische Creutz- und Marter-Woche“) von den Schweden geplündert und fast vollständig niedergebrannt. Auch der Nordische Krieg, besonders aber der Siebenjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege ließen die Stadt v erkümmern. Erst nach der Verkleinerung Sachsens nach dem Wiener Kongress (1815) und dem Straßenbrückenbau über Mulde und Flussaue (1830/32) setzte wieder ein bemerkenswerter Aufschwung ein.

Wurzen lag auch auf der ersten deutschen Überland-Eisenbahnstrecke von Leipzig nach Dresden und erhielt demnach schon 1838 Bahnanschluss und die Brücke über die Mulde ist die älteste noch in Betrieb befindliche Eisenbahnbrücke Deutschlands und wohl auch Kontinentaleuropas.

Dadurch begünstigt entwickelte sich die Industrie in Wurzen und die Einwohnerzahl vervierfachte sich zwischen 1850 und 1914. Diese Entwicklung setzte sich bis in die 1970er Jahre fort (bis auf 24228 Einwohner) und danach – schon vor der „Wende“, aber erst recht danach ging die Bevökerungszahl und liegt inzwischen – inklusive eingemeindeter Vororte – noch bei ca. 16000.

Während der Novemberrevolution agierte in Wurzen einer der ersten Arbeiter- und Soldatenräte im damaligen Sachsen. Albert Kuntz wirkte bis 1923 als prominentes KPD-Mitglied in Wurzen, u. a. im Stadtrat. 1926 gelang es einer Koalition aus SPD und KPD, die Mehrheit im Stadtrat zu stellen und mit Georg Boock erstmals einen sozialdemokratischen Bürgermeister zu wählen. Wurzen, das zuvor zur Amtshauptmannschaft Grimma gehörte, wurde 1924 kreisfreie Stadt, eine der kleinsten in Deutschland, und kam 1946 zum Landkreis Grimma und 1952 zum Kreis

Wurzen bis zu dessen Auflösung im Jahr 1994.

Von Juli 1939 bis Mai 1945 war Armin Graebert (1898–1947) Oberbürgermeister der Stadt; er erreichte am 24. April 1945 zusammen mit Mitgliedern der SPD, KPD und den Pfarrern der evangelischen und katholischen Kirchen die Kapitulation der Stadt gegenüber Major Victor G. Conley vom 273. US-Infanterieregiment und bewahrte sie so vor der Zerstörung.

Wurzen ist seit 2002 eines der Pilotprojekte im Freistaat Sachsen für den Stadtumbau Ost. Durch die demografische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte bedingt gilt es, erstmals in der Geschichte Sachsens einen planmäßigen Rückbau städtischer Wohnsubstanz und die sinnv olle Neunutzung der geräumten Flächen zu organisieren.

Wie in anderen vergleichbaren Kommunen Ostdeutschlands versucht die rechtsradikale Szene seit den 1990er Jahren, in der Stadt insbesondere bei den Jugendlichen Einfluss zu erlangen. Das Netzwerk für Demokratische Kultur, die Standortinitiative Wurzen, die Kirchgemeinden und die Stadtverwaltung engagieren sich gegen die verschiedentlich durch die Medien gehende Konzentration rechter Gewalt in Wurzen. Gleichwohl stellt sie ein anhaltendes Problem für die Stadt dar.

Wir starten unseren Spaziergang schräg gegenüber in der Parkanlage des ehemaligen Alten Friedhofs mit dem „Soldatenwinkel“.

Hier findet sich ein Denkmal für die über 700 im ersten Weltkrieg gefallenen Wurzener, das 1929/30 in bemerkenswerter Weise von Prof Georg Wrba errichtet wurde, der uns später in der Neugestaltung des Domes begegnen wird. Hiermit wird auch an das Wirken von Elsa Brandström stellvertretend für alle Sanitätsrinnen erinnert
Ebenfalls auf dem Alten Friedhof begegnet uns das Pesthäuschen, welches 1687 über den Massengräbern von 1607 errichtet wurde
Im folgenden geht es entlang des Ringelnatzpfades durch Wurzen, wobei wir beim Altstadtrundgang auch Projekte wie die Wappenschilder oder die Ankündigungspunkte beachten werden.
An der Wenceslaikirche treffen wir auf eine der ursprünglich drei Postmeilensäulen von Wurzen, die 1724 aufgestellt worden sind.
Auch wenn der Dom St Marien für die ganze Region Bedeutung hatte, ist Wenceslaikirche die weithin sichtbare Kirche der Stadtbürger,  die auf das dreizehnte Jahrhundert zurück geht  Bis 1911 befand sich dort eine bewohnte Türmerwohnung, die inzwischen rekonstruiert wurde und -leider nicht in der Wintersaison- besichtigt werden kann. Eine Skulptur „Der Wanderer“ nebenan auf dem Sperlingsberg weist auf ein Ringelnatz-Thema hin. Die nächste findet sich am Badergraben, einst plätscherte hier ein kleines Flüßchen.

Dann geht es zum früheren Jacobstor. Kurz vor dem Marktplatz erreichen wir einen der erwähnten Anknüpfungspunkte, Ornamente oder Installationen  erinnern an alten Giebeln oder Freiflächen an ehemalige Standorte der „Teppichindustrie“.

Wir gelangen auf den Marktplatz.

Der Markt wurde vor dem 13. Jahrhundert zwischen Domfreiheit und Altstadt angelegt. Sein Gesamtbild wird noch heute von Häusern, gebaut Ende des 19. Jahrhunderts, geprägt. Durch umfassende Rekonstruktionen blieben jedoch auch Gebäude des 17. und 18. Jahrhunderts erhalten. An der Nordseite des Marktes befindet sich ein 1998 restauriertes Wohn- und Geschäftshaus mit einem

steinernen Adler. Dieser erinnert daran, dass das heutige Geschäft für Schreibwaren einst ein vielbesuchter Gasthof war. Fast alle Häuser der Ostseite des Marktes wurden umfangreichsaniert. Das mit einem schönen Erker versehene, ehemalige Hotel „Pippig“ auf der Westseite des Marktes war früher

eine der ersten Adressen der Wurzener Gastronomie

.Für besonderes Flair in der Innenstadt sorgen die historisch anmutenden Laternen. Die in Wurzen hergestellten Kandelaber sind ein besonderer Schmuck des ansonsten in schlichter Schönheit gestalteten Marktplatzes.

Das Rathaus wurde früher u.a. als Amtsgebäude, Lager- und Kaufhaus sowie Geschäftsstelle der örtlichen Sparkasse genutzt, seit 1519 ist der Standort bezeugt, 1637 wurde es in der „Wurznischen Kreuz-und Marterwoche“ zerstört und nach dem 30-jährigen Krieg barock wiederaufgebaut, 1802 durch Brand zerstört. Das jetzige Gebäude wurde 1803 im schlichten klassizistischen Stil über den alten gewölbten Kellern der Vorgängerbauten errichtet…

Interessante Objekte am Markt sind die Liegenbank und der Ringelnatzbrunnen.

Der Namen ist sicherlich auf „legebank“ (Gerichtsbank)zurückzuführen.

Das war der Ort, wo Richter oder Schöffe nach deutscher Sitte unter freiem Himmel Recht sprachen. Unter der Liegenbank befinden sich Kellergewölbe, die früher als Verkaufsbänke zu Markttagen genutzt werden onnten. Diese waren bis 1902 noch sichtbar. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Liegenbank nach einem Umbau im selben Jahr.

Bei Tiefbauarbeiten auf dem Marktplatz im Jahre 2006 wurde mittelalterliches Pflaster entdeckt. Zum Ringelnatzbrunnen: Der Stockbrunnen aus Löbejüner Porphyr wurde 1982/83 anlässlich des 100. Geburtstages von Joachim Ringelnatz von den Leipziger Bildhauern Dieter Dietze und Hartmut Klopsch errichtet.

Ein Abstecher lohnt zur Ringelnatz-Stele an der Mauer am früheren Eilenburger Tor. Zum Eilenburger Tor: Als wehrhaftestes der Wurzener Stadttore befand es sich am Ausgang der Eilenburger Gasse im nördlichen Teil der Ringmauer. Die Gassen „An der Mauer“ und „Stadtgraben“ markieren noch deren Verlauf. Nördlich davor lagen die „Altstadt“ und das Eilenburger Viertel am Hang zur Muldenaue. Hier berührte im Mittelalter die von der Muldenfurt heraufführende alte transkontinentale West-Ost-Straße, die „Via regia“, die Stadt. Im tief gegründeten Turm des Tores befand sich die „Ratsfronfeste“, das erste städtische Gefängnis. Im Torhaus wohnten die „Stadtknechte“. Beim Abbruch von Turm und Tor 1844 wurden im Turmknauf Nachrichten über die Gräuel in der „Kreuz- und Marterwoche“ (1637) während des 30-jährigen Krieges gefunden.

Es geht zurück zum Markt und am Anfang der Domstraße findet sich ein besonders repräsentatives früheres Bürgerhaus, in dem sich das interessante Kulturhistorische Museum, mit Ausstellungen zur Ringelnatz aber auch vielen anderen Themen gibt, für das Museum haben wir regulär nicht genügend Zeit, die Stadtinformation im Hause können wir aber gern aufsuchen.

Für die Stadt- und Regionalgeschichte bedeutend war auch der Historiker, Theologe und Pädagoge Christian Schöttgen (1687- 1751), der 1717

die „Historie der Chur- Sächsischen Stiffts- Stadt Wurtzen“ verfasste. Das Haus in der Wenceslaigasse weist noch Spuren des ursprünglichen Gebäudes aus dem 14. Jahrhundert auf. Der in der Außenwand eingelassene steinerne Kopf gehörte zu einer vorreformatorischen Wenzelsstatue in der Wenceslaikirche. Im 14. Jahrhundert wurde das Gebäude über der Rietzschke erbaut (Gewölbe noch vorhanden). Teile des Klingelzugs und Nischen für Öllampen sind noch sichtbar.

Für eine Rast habe ich uns in der Gaststätte „La Grotta“ angemeldet. Hier befinden wir uns im Bereich des einzigen Jugendstilensembles der Stadt. Es sind die „Rahnschen Häuser“, insgesamt sechs denkmalgeschützte Gebäude anfangs der Straße „Badergraben“ bzw. an der Barbaragasse.

Nach der kleinen Mittagspause geht es für uns hinauf zum früheren Bischofsschloss, der Kustode und dem Dom St. Marien.

Der Bischof von Salhausen ließ den Bischofssitz in den Jahren 1491 bis 1497 im Stile der sächsischen Spätgotik bzw. Frührenaissance errichten. Das Bauwerk ist Zeugnis von den überragenden architektonischen Leistungen der sächsischen Baumeister um Arnold von Westfalen. Das Schloss ist ein Übergangswerk

von der mittelalterlichen Wehrburg (erkennbar am Schlossgraben und der einstigen Zugbrücke) zum gotischen Renaissanceschloss. Zwei starke Türme und ein tiefer Schlossgraben verleihen dem Bauwerk noch heute einen trutzigen Charakter. Der Wendelstein, die Vorhangbogenfenster und die aufwendig gestalteten Zellengewölbe im Inneren des Schlosses erinnern an die Albrechtsburg Meißen. Bis zum Jahr 1581 war es das Residenzschloss der Meißener Bischöfe. Nach seiner langen Nutzung als Amtsgericht und Polizeirevier hat ein privater Investor das historische Gemäuer in ein Schlosshotel mit Restaurant und Café umgebaut.

An der nächsten Station stehen wir vor einem der bemerkenswertesten Sakralbauten Sachsens. Bereits 1114 als Marienkirche durch Bischof Herwig von Meißen geweiht, hat er mancherlei Wandlungen durchmachen müssen. 1470 wurde der Dom ein Raub der Flammen. Nur die untere Umfassungsmauer und die Fundamente der Türme blieben erhalten. 1508 wurde ein Teil des Domes wieder aufgebaut.

Bischof von Salhausen ließ 1513 den Bau vollenden. Nach dem 30jährigen Krieg erhielten die Türme ihre Hauben im Stil des Barock. 1817 erfolgte eine Domerneuerung im neugotischen Stil. 1931 bis 1932 bekam der Dom sein heutiges Aussehen, wobei unter anderem der Eingang in den Turm

verlegt wurde. Der schon erwähnte Dresdener Prof. Georg Wrba schuf u. a. eine ausdrucksstarke Kreuzigungsgruppe, eine Kanzel, das Domherrengestühl und einen Taufbrunnen. Finanziert wurden diese Objekte durch eine Stiftung des Wurzener Ehrenbürgers Hermann Ilgen.

Direkt an den Westchor des Domes, grenzt ein ehemaliges Stiftsgebäude. Es ist das Geburtshaus des Fabeldichters Magnus Gottfried Lichtwer (1719 bis 1783).

Obwohl heute weniger populär, gilt Lichtwer neben Lessing und Gellert als einer der bedeutendsten deutschen Fabeldichter der Aufklärungszeit. Aus der Fabel „Die Katzen und der Hausherr“ stammt der heute geläufige und in die sprichtwörtliche Rede übernommene Lichtwer-Vers: „Blinder Eifer schadet nur.“

Am Kultur- und Bürger/innenzentrum findet sich eine weitere Stele. Bis 1581 war das Gelände Teil eines Domherrenhofes. Danach wurde es als Wohnhaus von Würdenträgern genutzt. Im 30jährigen Krieg zerstört, wurde es als Wohnhaus wieder errichtet. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude zur Stadtvilla des Industriellen August Schütz (Wurzener Velourstaub-Tapetenfabrik) umgebaut. Ab Beginn der 1970er Jahre bis 1990 war hier eine sonderpädagogische Tagesstätte für Kinder und Jugendliche untergebracht. Seit 2002 ist das Haus in Besitz des Vereins „Netzwerk für Demokratische Kultur e. V.“. Es erfolgte ein Um- und Ausbau zum Kultur- und BürgerInnenzentrum D5.

Von hier geht es zu den Schultreppen, vorbei an der früheren Mädchenschule, jetzt berufliches Bildungszentrum, und am früheren Stiftsgebäude. Wie steht es an der Stele unter dem Motto „Sieh nicht zurück“: „Die Einsamkeit ist die Treppe zum Gedankenkeller“

Am Rosental stehen einprägsam die imposanten Mühlentürme der ehemaligen Wurzener Krietschwerke. Wohl kaum ein Bauwerk der Stadt ist so (ein-)prägsam wie die beiden Türme, welche die Stadt Wurzen schon weithin am Horizont erkennen lassen. Die Kekse und Biskuits der Krietschwerke waren der ganzen Welt bekannt als „preiswert und bestens im Geschmack“.

Heute setzen zwei renommierte Unternehmen die Produktion von Nahrungsmitteln an diesem traditionellen Standort fort. Unter anderem werden die berühmten Wurzener Flips und feines Gebäck dort hergestellt.

Ob wir es noch zum Werkverkauf schaffen, ist eher unwahrscheinlich.

Es geht jetzt wieder stadteinwärts und über die Postgasse erreichen wir das frühere Posttor. Am Crostigall befindet sich das Posttor zur ehemaligen Posthalterei mit dem königlich-polnischen /kurfürstlich-sächsischen Doppelwappen von 1734. Es ist ein bemerkenswertes Zeugnis sächsischer

Verkehrsgeschichte.

Passend sei hier mal ein Zitat des Gedichtes von der Ringelnatz-Stele:

 

„Ein männlicher Briefmark erlebte,

was Schönes bevor er klebte.

Er war von einer Prinzessin beleckt,

da war die Liebe in ihm erweckt.“

 

Als letztes Objekt auf unserer Runde passieren wir das Ringelnatz-Geburtshaus.

Das barocke Gebäude entstand im Jahr 1678.

Am 7.August 1883 kam Joachim Ringelnatz hier als Hans Gustav Bötticher zur Welt. Von 1983 bis 1998 befand sich hier die einzige Ausstellung

Deutschlands, die anhand wertvoller Unikate Einblick in Leben und Werk des bekannten Künstlers und seines Vaters, Georg Bötticher, des Musterzeichners, vermittelte. Jetzt ist diese Ausstellung modern aufbereitet im erwähnten Museum in der Domgasse zusehen.

Das Ringelnatz auch Selbstironie kannte, zeigt der abschließende Auszug aus dem Gedicht von der Stele gegenüber seinem Geburtshaus unter dem Titel „Kuckuck“.

 

„Hans wird der Nasenkönig genannt,

denn er hat eine lange Nase.

Sie rufen´s ihm nach auf der Straße.

Hans lässt sie rufen; er macht sich nichts draus.“

 

Oder man lese Herrn Ringelnatz’ „Turngedichte“ – seine Meinung zum Fußball ist etwas ausführlicher, übersichtlicher ist das kleine Gedicht vom „Bumerang“

 

War einmal ein Bumerang;

War ein Weniges zu lang.

Bumerang flog ein Stück,

Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum – noch stundenlang –

Wartete auf Bumerang

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