13.2.18 WINTERWANDERUNG AM TELTOWKANAL VON DER GLIENICKER BRÜCKE BIS ZUR MACHNOWER SCHLEUSE

Treff: auf dem S Wannsee, ab Ankunft S 7 10:12

Start; Bushst. (zB 316) Glienicker Lake zur Ankunft Bus 316 (hin also noch Tarifbereich Berlin B) 10:38.

Rückfahrt ab Kleinmachnow, Schleusenweg z.B. via S Zehlendorf oder ab Stahnsdorf Waldschänke via S Teltow Stadt (jeweils Tarifbereich Berlin C)

Wegstrecke: max. 9 km

Preis inkl. Führung, Vorbereitung, Begleitung 5,-€

 

Der Teltowkanal wurde auf Initiative des Landrates des Kreises Teltow, Ernst von Stubenrauch, erbaut. Für den westlichen Kanalteil wurde zu großen Teilen das Bett des Bäkefließes, der ehemaligen Telte genutzt, das vom Fichtenberg in Berlin-Steglitz zum Griebnitzsee verlief. Bis auf zwei kleine Teilstücke in Steglitz und im NSG Bäketal Kleinmachnow ist die Bäke vollständig verschwunden. Die Lanke, die Lankwitz den Namen gab und am Birkbusch in die Bäke mündete, diente den Ingenieuren gleichfalls als Bett für den Kanal. Der erste Spatenstich erfolgte am 22. Dezember 1900   in Babelsberg, in Betrieb genommen wurde der Kanal am 2. Juni 1906 durch Kaiser Wilhelm II., der ihn auch als erster mit seiner Yacht Alexandria im Bereich der Kleinmachnower Schleuse befuhr. Die komplette Fertigstellung des Kanals zog sich, wegen bautechnischer Probleme in Lichterfelde, noch einige Monate hin.

Der Kanal beginnt rechtlich am westlichen Ende der Glienicker Lake, von der Potsdamer Havel abzweigend, bei Kilometer −0,55 und führt durch den Griebnitzsee, der zwischen Berlin-Wannsee und Potsdam- Babelsberg liegt und zum Flusssystem der Havel gehört.

Eine heute möglicherweise startende Serie von Wanderungen entlang bzw. auf Spuren des Teltowkanals folgt im Wesentlichen dem Büchlein „Teltowkanal – 80 Stationen & Geschichten“ von Peter Hahn und Jürgen Stich (Oase Verlag 2014).

Wir starten jedoch nicht wie die Autoren am Maschinenhaus  im Park Babelsberg sondern an der Glienicker Lake mit einem Blick auf die berühmte Glienicker Brücke, auf deren wechselvolle Geschichte eine Informationstafel aufmerksam macht. Die Berliner Vorstadt in Potsdam wird sicher auch Mal eine Rolle auf einem Spaziergang spielen. Es geht für uns mit Blick auf die Silhouette Potsdams durch den Park des Jagdschlosses Glienicke. Bei „unseren“ Autoren heißt es in Bezug auf das Jagdschloss „Von Taut versaut“.

Gemeint ist damit der Umbau des vom Ende des 17. Jahrhunderts stammenden Jagdschlosses durch Max Taut zur Jugendbegegnungsstätte Anfang der 1960er Jahre. Kann man sich drüber streiten, hinein kommen wir ohnehin nicht. Die ehemalige „Staatsgrenze“ passieren wir durch eine Pforte. Denn außerhalb des Parks befinden wir uns in der zu Potsdam-Babelsberg gehörenden Siedlung Klein-Glienicke. Hier waren wir schon einmal, auch in der wiederhergestellten Kapelle. Eine traditionsreiche Ausflugsgaststätte wie der „Bürgerhof“ steht inzwischen wieder zur Verfügung, allerdings nicht jetzt im Winter. Wir überqueren den Kanal auf der Parkbrücke. Bei der 200m entfernt liegenden Straßenbrücke, die einst nach Enver Pascha hieß, spielt die deutsch-türkische Geschichte eine Rolle. Der deutsch-deutschen Geschichte folgen wir anschließend natürlich auch weiter, denn wir befinden uns nicht nur auf dem Teltowkanal- sondern auch auf dem Mauerweg. Der Weg führt jetzt entlang historischer Villen, an den Griebnitzsee können  wir nur sporadisch schauen, die Nichtbegehbarkeit des Ufers ist eine typische Potsdamer Nachwendegeschichte. Besonders verbunden ist dieses Viertel bekanntermaßen mit der Potsdamer Konferenz 1945, die Besitzer mußte ihre Villen für Stalin, Churchill/Attlee und Truman räumen, die hier wohnten als sie auf Cecilienhof die Zukunft Deutschlands und Europas verhandelten.
Haus Mösler und die Villa Carl Salzmann sind weitere interessante Objekte.
Es gibt öffentliche Spaziergänge zu allen wichtigen Orten und Persönlichkeiten in der Villenkolonie Neubabelsberg, wir selbst hatten dies Mal als Spaziergang nachvollzogen.

Wir kommen am Regional- und S-Bahnhof vorbei, der in seiner Geschichte drei verschiedene Namen trug. Ehemals Grenzübergangsstelle des Fernverkehrs ist der Bahnhof Griebnitzsee heute vor allem für die Studierenden der Potsdamer Universität von Bedeutung. Die frühere „Ufastadt“ lassen wir hinter uns, vor uns liegt – wieder auf Berliner Gebiet – Kohlhasenbrück. Auf das historische Ausflugslokal „Söhnels Werft“ wird hingewiesen, leider ist dort jetzt nur noch eine „Eventlocation“
Kohlhasenbrück stand schon im 19.Jahrhundert für eine Brücke über die damalige Telte (deren Fußbett für den Teltowkanal her halten mußte). Die Geschichte um „Hans Kohlhas“ selbst dürfte bekannt sein. 1848 führte die Kreischaussee von Stolpe (Wannsee) kommend nach Neuendorf (Babelsberg) hierüber.

Wir unterqueren die Brücken der S-Bahn und früheren Wetzlarer Bahn, ignorieren aber den Abzweig nach Steinstücken und halten uns nach Unterqueren der einstigen Stammbahn Berlin-Potsdam links
Dann geht es entlang einer zu dieser Jahreszeit kaum befahrenen Straße entlang des Teltowkanals vorbei am Landgut Eule nach Albrechts Teerofen. Die kleine Ansiedlung, heute vor allem Standort eines Campingplatzes, geht auf den Wiedeaufbau des Teerofen durch den Pächter Christian Friedrich Albrecht aus Caputh im Jahre 1761 zurück.
Die Nähe der Autobahn ist zu hören – oben befand sich einst die GÜSt Dreilinden.
Dreilinden selbst, auf der gegenüberliegenden Seite des Teltowkanals, kann auch einmal ein Thema sein, auch wenn vom Schloss aus Fontanes Zeiten nichts mehr zu erkennen ist.

Auf einige interessante Objekte am Rande wie der Hans-Altmann-Park, Wilmersdorfer Waldfriedhof und Südwest-Kirchhof Stahnsdorf wird hingewiesen, wir bleiben aber das letzte Stück auf dem „Talauenweg“ am Kanal selbst bis zur Machnower Schleuse. Seit unseren letzten Besuchen hier gibt es etwas Neues: man hat hier eine alte Berliner Straßenbahn der Linie 96 abgestellt. Bis vor kurzem stand die noch in Teltow. Im Unterschied zu anderen Aussagen fuhr hierher tatsächlich eine Straßenbahn aus Berlin, die Berliner Linie 96 nach Teltow wurde nämlich als 100 bis zur Machnower Schleuse. Die Geschichte der Teltower Kreisbahnen und deren Fusion mit der Großen Berliner Straßenbahn ist durchaus auch noch mal wert zu erzählen…

Eine abschließende Rast bietet sich beim nahegelegenen Griechen an, (die Gaststätte an der Schleuse selbst hat wohl ebenso geschlossen wie die Stahnsdorfer Waldschänke seit kurzem für immer geschlossen ist) bevor es verschiedene Varianten der Heimfahrt gibt.

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