14.5.18 Neuköllner Parks II

Treff: 10:30 Uhr auf dem S-Bahnhof Hermannstraße

Dauer ca. 2 ½ Std.

Preis: 5,-€

 

Der innerstädtische Teil des heutigen Bezirks Neukölln ist einer der am stärksten besiedelten Gebiete Berlins. Um so wichtiger sind auch heute noch die „grüne Lungen“, ein großer Volkspark wie die „Hasenheide“ ebenso wie der Körnerpark, letzterer bereits schon einmal Ziel eines Stadtspaziergangs.

Ein besonderer Stadtpark entstand in den 1920er Jahren auch am Rande des Tempelhofer Feldes, der frühere Sport- und Spielpark Neukölln wird auch Teil unseres heutigen Spaziergangs sein, doch dazu später.

Eine Rolle als „grüne Lunge“ spielen dabei auch die Friedhöfe, wie hier zum Beispiel an der Hermannstraße, einigen heute noch wichtigen Anlagen von historischer Bedeutung werden wir uns in diesem Jahr noch mal aus der Nähe „anschauen“. Heute treffen wir aber im Gebiet um Emser Straße und Warthekiez schon auf drei, zum Teil aber bereits aufgelassene Anlagen, die eher Parkcharakter tragen. Der Neue Friedhof St. Jacobi ist in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Hermannstraße gelegen. Er wurde 1867 angelegt. Direkt am Eingang befindet sich die in gelben Ziegeln erbaute Trauerkapelle. Heute steht der Friedhof nur noch für Nachbeisetzungen zur Verfügung.

Eines der bekannten Gräber ist das des Theologen Bruno Bauer (1809–1882) mit dessen Schriften sich Karl Marx und Friedrich Engels kritisch auseinandersetzten.

In dem Roman „Irrungen, Wirrungen“ von Theodor Fontane findet der Friedhof Erwähnung.

Der Friedhof Jerusalem V wurde 1870 bis 1872 auf der Westseite der Hermannstraße direkt neben dem (neuen) Friedhof St. Thomas angelegt und erstreckt sich bis zum Tempelhofer Flughafengelände. Auf diesem Friedhof werden nur noch Nachbeisetzungen durchgeführt.

Die Trauerkapelle von 1899/1900 dient heute der bulgarisch-orthodoxen Gemeinde in Berlin als Gotteshaus.

Im hinteren Bereich, direkt am ehemaligen Flughafengelände, befanden sich die Baracken für Zwangsarbeiter auf kirchlichen Friedhöfen während des Zweiten Weltkriegs.

Ein Gedenkort mit einigen Erläuterungen erinnert daran. Eine Ausstellung wurde auf der anderen Straßenseite auf dem Alten Thomaskirchhof eingerichtet, dort sind wir in diesem Jahr noch mal.

Eine Besonderheit stellen auf dem Grünen Weg, dem wir folgen, und auf dem benachbarten (neuen) St.-Thomas-Friedhof die Lichtmasten mit Signalleuchten für den früheren Flughafen dar, da sich beide Friedhöfe in der Einflugschneise befanden.

Der gesamte (neue) Thomasfriedhof steht heute eine Parkanlage dar und wird sogar als Hundeauslauf genutzt. Am Ende des Weges blicken über das Tempelhofer Feld, nach Auflassung des Flughafens so etwas wie der „Central Park Berlins“.

Wir gehen ein Stück entlang der Oderstraße und erreichen den heutigen Werner-Seelenbinder-Sportpark. Der Sportpark Neukölln (auch als Sport- und Spielpark oder als Sportpark Tempelhofer Feld bezeichnet) wurde nach dreijähriger Bauzeit am 14. Oktober 1928 feierlich eröffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt waren sechs Sportplätze, eine Spielwiese, drei Buddelplätze und vier Sondergärten fertiggestellt. Damit erhielt der extrem dicht bevölkerte

Ortsteil eine dringend benötigte Erholungs- und Grünfläche. Mit einem Umfang von 433.550 m² stellte der Sportpark zum Zeitpunkt seiner Eröffnung 80 % der Sport- und Spielflächen in Neukölln. Auch für Berliner Verhältnisse war dieser Park eine besondere Anlage. In der Folgezeit wurden ein Hockeyplatz, eine weitere Spielwiese und eine große Kampfbahn, die 25.000

Zuschauer fasste, angelegt. Bald trat ein 4000 qm großes Planschbecken hinzu. Die Entwürfe stammten v om Neuköllner Gartendirektor Ottokar Wagler, Konrad Glocker, der

für die Gartenbaufirma Späth tätig war, sowie Waglers Nachfolger Kurt Pöthig. Ausschlaggebend für die Beliebtheit des Sportparks war die attraktiv e Angebotsv ielfalt und reiche

Pflanzenwelt. Prächtige einheimische und fremdländische Baumarten säumten die Spazierwege. Rosen und Dahliengärten sowie Liegewiesen luden zum Verweilen ein. Es wurden pflanzen- und

Vogelkundliche Führungen angeboten. Verschiedenste Sportplätze boten für jeden etwas. Die Plantschbecken, Wiesen und Buddelplätze waren ein Paradies für Kinder. Im Winter wurden die Promenaden sogar zum Ski-Langlauf frei gegeben. Der Park belegt heute die Flächen längs der Oderstraße gegenüber der Einmündung Siegfriedstraße und dem ehemaligen Grünen Weg. Ursprünglich reichte jedoch die gesamte Anlage bis zur damaligen Flughafenstraße am Nordrand des Tempelhofer Feldes. Auch nach dem Baubeginn für den neuen Flughafen Tempelhof im Jahr 1936 und selbst während des Zweiten Weltkriegs blieb der Sportpark – bis auf einzelne Flächen für Flugzeugpeilanlagen und einen Luftschutzbunker auf der Fläche des ehemaligen Plantschbeckens – im Wesentlichen erhalten. Der gesamte nördliche Teil des Sportparks ab dem Grünen Weg fiel erst dem Ausbau des Flughafens Tempelhof während der Berliner Luftbrücke 1948 zum Opfer.

Am 29. Juli 1945, gleich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erhielt das Stadion den Namen Werner-Seelenbinder-Kampfbahn. Als Namensgeber hatte die Magistratsv erwaltung Werner Seelenbinder ausgewählt, der in Neukölln jahrelang trainiert hatte. Er war mehrfacher

deutscher Ringer-Meister und Olympiateilnehmer 1936. Seelenbinder wurde 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Ab 1948/1949 wurde wegen der kommunistischen Gesinnung

Seelenbinders der Name nicht mehr v erwendet. Die Grabstelle war bis in die 1960er Jahre lediglich zweimal im Jahr zugänglich – zum Geburtstag und Todestag Seelenbinders. Zu seinen Ehren wurde erst 50 Jahre später, am 24. Oktober 2004, der Sportpark Neukölln nun in Werner-

Seelenbinder-Sportpark umbenannt. Bei der Gedenkfeier und der Enthüllung des neuen Namensschildes haben Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und der Präsident des Landessportbundes, Peter Hanisch, den erfolgreichen Sportler und Widerstandskämpfer gewürdigt, dessen Todestag sich an diesem Tag zum 60. Mal jährte.

Auf dem Gelände entstand 1946 eine Radrennbahn, initiiert wurde der Bau v om Sportring Neukölln. Ursprünglich sollte der Münsteraner Architekt Clemens Schürmann die Bahn planen, aber er erhielt im Nachkriegsdeutschland keine Reisegenehmigung. So wurde der Auftrag an Georg Bremer v ergeben, der schon in den 1930er Jahren die Rütt-Arena gebaut hatte. Aus einer Aschenbahn entstand in reiner Handarbeit durch Aufschüttung v on Trümmerschutt eine 500 Meter lange mit Zement versiegelte Bahn.

Am 26. Mai 1946 fand das erste Rennen v or 20.000 Zuschauern statt. Im Oktober 1947 wurde der „Preis Albert Richter“ zur Erinnerung an den 1940 mutmaßlich v on der Gestapo ermordeten Kölner Weltmeister ausgetragen. Die Radrennbahn war bis 1955 in Betrieb; sie hatte sich als ungeeignet für die damals publikumsträchtigen Steherrennen erwiesen. Der heutige Sportpark ist nicht mehr mit der im Jahr 1930 eröffneten Spielstätte v ergleichbar.

Ursprünglich für über 20.000 Zuschauer errichtet, wurde er in den 197 0er Jahren zurückgebaut und bietet heute nur Platz für 3.500 Zuschauer (dav on 350 unüberdachte Sitzplätze).

Das Eisstadion Neukölln ist ein Freiluftstadion (offene Kunsteisportanlage), das erstmals in der Wintersaison 1956/1957 öffnete und sich unmittelbar südlich an den Rasensportpark anschließt (Adresse: Oderstraße 182). Es besteht aus der Kampfbahn, einer Eisfläche mit den Standardabmaßen 60 m × 30 m für den Wettkampfbetrieb sowie einer Publikumsbahn (rund 65 m × 39 m), die für das öffentliche Eislaufen vorgesehen ist.

Im Winter dient das Stadion dem Eissport und im Sommer dem Basketball, als Rollschuhbahn, Inline-Skatern als Hockeyfeld und vor allem den Streetball-Turnieren, die dort häufig stattfinden.

Neben einigen Einblicken in die heutigen Anlagen, Hinweisen auf die Berliner Sportgeschichte und das Grab Werner Seelenbinders ist vom einstigen Park für den Besucher oder gar Erholungssuchenden heute nichts mehr erlebbar, um so besser ist die Möglichkeit der Nutzung des Tempelhofer Feldes für Erholungssuchende und Freizeitsportler heute.

Wir können unseren Spaziergang zum Schluss dort hin und zum Beispiel zur Hasenheide führen oder am Bahnhof Hermannstraße enden lassen.

Weiter ins Innere der Anlage kommt man beispielsweise gelegentlich anlässlich des Tags des Offenen Denkmals mit einer öffentlichen Führung.

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