23.4.18 Berliner Straßen: Die Grabbeallee

Treff: 10:30 Uhr Straßenbahn/Bus-Hast. Bürgerpark (zur Ankunft Tram M 1, S+U Schönhauser Allee ab 10:17)

Dauer ca. 2 Std.

Preis inkl. Führung 4,-€

Die Grabbeallee, vormals „Lindenstraße“, davor „Weg nach Schönhausen“ ist heute eigentlich nur eine Durchgangsstraße auf dem Weg der Bundesstraße 96 a von Pankow Richtung Niederschönhausen und in Folge dessen Richtung der Autobahn, z.B. Mühlenbeck. Auf ihren 994 Metern scheint sie auf dem ersten Blick wenig Interessantes zu bieten, dabei ist sie geschichtsträchtig und spiegelt einen großen Teil der Geschichte von Niederschönhausen, jenem Ortsteil am bzw. beim Schloss Schönhausen, der leider oft nur unter „Pankow“ oder gar „Pankoff“ subsimiert wird. Alte Zeichnungen bzw. Fotos zeigen die Pankebrücke beim Bürgerpark, als diese Gegend noch ein verkehrsarmes Idyll war.

Heute kennt man die Grabbeallee aus manchen Staumeldungen und beim gelegentlichen Überschreiten, leider gibt es nur am Anfang und Ende der Straße eine Fußgängerampel, brauchen wir etwas Mut. Ich weise Sie ausdrücklich auf Ihre Eigenverantwortung hin! Fast bin ich geeignet, Haftungsverzichtserklärungen wie beim Betreten einer Munitionsverdachtsfläche auszuteilen….

Beginnen wir in der Geschichte. Im 19. Jahrhundert hatte sich Niederschönhausen, auch unabhängig von der nahe liegenden Schönholzer Heide, zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt, entlang des „Weges nach Schönhausen“ vom Bürgerpark vorbei an den „Schönhauser Fichten“ befanden sich Ausflugslokale, auf die wir noch eingehen werden.

Erst auf einem Messtischblatt von 1872 sind einige bebaute Gehöfte zwischen Zingergraben und dem heutigen Pastor-Niemöller-Platz zu verzeichnen. Dort hinten sind einige bescheidene Reste noch erhalten.

Damals entstand durch eine Terrain-Gesellschaft ein erster „Bebauungsplan für das Terrain vor dem königlichen Schloss zu Niederschönhausen bei Berlin“, ihm wurde der Name „Bismarcks Ruhe“ gegeben. Ca. 130 bis 150 Villen sollten entstehen, mit exakten Vorgaben zur Gestaltung, Grundstückstiefe, Vorgärten, Einfriedungen etc.

Einiges davon ist nie verwirklicht worden, ein Blick auf den Plan im „Mitteilungsblatt“ des Freundeskreises der Chronik Pankow e.V. „Die Grabbeallee in Berlin-Pankow“ (auch hier leider wieder die Ungenauigkeit, die mich als Niederschönhausener schon immer geärgert hat), zeigt die gewaltige Dimension dieser Planungen und einige bist heute erkennbare Straßenzüge.

Ab 1904 entstanden dann auch Straßen auf dem Gebiet der „Schönhauser Fichten“ auf der linken Seite des „Weges nach Schönhausen“ zwischen Pankebrücke und Zingergraben, deren Namen erinnerten bzw. erinnern an den Eigentümer der Fläche, den Forstfiskus, und damit verbundene Persönlichkeiten, wie Cotta (Begründer der Forstakademie Tharandt) und Pfeil (erster Direktor der Forstakademie Berlin/Eberswalde), deren Bebauung mit kleineren Villen erfolgte aber erst nach dem ersten Weltkrieg, der Sportplatz – im Winter als Spritzeisbahn genutzt – wurde inzwischen leider zugunsten des Walter-Husemann-Sportplatzes aufgegeben und bebaut.

Das letzte erschlossene Gebiet an der jetzt „Lindenstraße“ genannten Straße war bis 1909 das der Paul-Francke-Siedlung.

Doch beginnen wir mit dem ersten Gebäudekomplex stadtauswärts gesehen rechts nach der Pankebrücke – das der evangelischen Wohnstätten „Siloah“. Die ursprüngliche „Irrenanstalt“ entstand 1881 auf Anregung des Hofpredigers Bauer und seiner Ehefrau in der Florastraße. Doch das dortige Häuschen wurde bald zu klein und so überließ 1884 Kaiser Wilhelm I. der jetzt „Rettungsanstalt“ genannten Einrichtungen das heutige Gebiet in der „Forst“ am Weg nach Niederschönhausen. Es entwickelte sich zu einem Asyl für sittlich verwahrloste, gefallene Mädchen, denen man eine christliche Erziehung angedeihen und die man in einen „geordneten und thätigen Lebenswandel zu führen“ gedachte, wie die Vorstandsvorsitzende des Mädchen-Rettungshauses, Maria Gräfin Pfeil schrieb. Das ganze stand „unter dem Allerhöchsten Protektorat… der Kaiserin und Königin Auguste Viktoria.“

Es begann mit 17 Pfleglingen und 1905 wurde die Höchstzahl von 103 erreicht. Auch Lina Morgenstern erwähnte die Einrichtung und deren Protektion durch die Kaiserin. Bis in die Zeit der Nazis und durch die DDR-Zeiten blieb die Einrichtung in ihrer Selbständigkeit, mit veränderten Klientels erhalten.

Nach 1945 wurden zunächst elternlose Jungen und Mädchen betreut, ab 1966 fungierte Siloah auch als Feierabendheim. Ende der 1960er Jahre zogen Kinder mit geistigen und teilweise auch körperlichen Behinderungen ein, nach der Wende gab es umfangreiche Um- und Ausbauarbeiten.

Auch auf die Rolle verdienstvoller Diakonissen sei hingewiesen.

Anschließend passieren wir die „Paul-Francke-Siedlung“. Diese hatten wir schon mal im Rahmen der Stadtwanderung entlang des Zingergrabens behandelt, auf einige Einzelheiten und manches hübsche Detail kann aber noch mal hingewiesen werden.

„Das Städtchen in Pankow“ war auch schon mal Thema eines Stadtspaziergangs. Leider wurde die einstige Siedlung der „DDR-Promis“ nicht unter Denkmalschutz gestellt und damit verschwinden immer mehr der historischen Objekte.

Spätestens jetzt sollte man die Straßenseite wechseln, ein Blick über die Brücke auf den Zingergraben lohnt auch mal wieder. Es folgen der „Lad-Klub“, ein Jugendklub, der jetzt auch schon eine eigene Geschichte hat, an seinen Ursprüngen hatte ich auch selbst noch Anteil, es folgen hier einige interessante historische Villen. An das Thema „Kindergärtner Friedrich Fröbel in Niederschönhausen oder auch nicht….“ wird an der Nummer Grabbeallee 43 a, b, c erinnert – heute ist das Gelände Sitz der Botschaft von Togo. Man kann aber herantreten.

Den Namen Grabbeallee erhielt die Straße übrigens erst 1936, kurz danach erfolgte deren Verbreitung und teilweise auch abschließende Bebauung (vorne links am damaligen Bismarckplatz, aber da kommen wir noch hin). Christian Dietrich Grabbe war ein Dichter, geboren 1801 in Detmold, 1836 gestorben dort selbst nach längeren Krankheitsjahren, geprägt durch Alkoholismus und Depressionen. Seine Theaterstücke galten, mit schnellen Szenenwechseln und Massenszenen, als schwer spielbar. Heinrich Heine, den er 1822 in Berlin kennen gelernt hatte, bezeichnete ihn als den „betrunkenen Shakespeare“.

Naturalisten und Expressionisten entdeckten Grabbe wieder, die Nazis versuchten ihn als nationalen Dichter zu vereinnahmen.

Apropos „betrunkener Shakespeare“, das nächste zu beachtende Gebäude steht für einen nicht mehr ganz so jungen Mann, der mit Eierlikör malt und seinen Gästen auch mal einen einschenkt und der mit dem Sonderzug nach Pankow, in diesem Fall im März 1915 auch in das „Ballhaus“ in Niederschönhausen fuhr – gemeint ist natürlich Udo Lindenberg. Lange vor dem „Sonderzug“ wurden seine frechen Sprüche auch von uns Jugendlichen in Niederschönhausen aufgesogen….

Wir schauen uns kurz auf dem Gelände um, das Ballhaus scheint wieder einmal in einen Dornröschenschlaf versunken zu sein, oder ?

Um 1880 hatte hier an der damaligen Lindenstraße 11 der Gastwirt August Lehder sein Ausflugslokal „Lindengarten“ errichtet, nicht zu verwechseln mit dem späteren gleichnamigen Lokal an der heutigen Grabbeallee 70. Ab 1892 wurde die Anlage zum Ballhaus ausgeweitet, das „Restaurant zum Schloss Schönhausen“ wurde als das schönste Ballhaus des Berliner Nordens beworben. 1930 wurde es zu einem Vereins- und Tanzlokal umgestaltet, aber 1933 schon eingestellt und 1939 kam die „Grabbeallee 53“ im Rahmen einer Versteigerung an eine Maschinenfabrik. Deren Nachfolger und eine Bauschlosserei nutzten das Gelände bis zur „Wende“, unter anderem als Lager.

Die heutige Tschaikowskystraße war einst die direkte Verbindung zwischen dem Schloss Schönhausen und der Schönholzer Heide resp. der Colonie Schönholz und trug den Namen „Charlottenburger Weg“. Mit der Bebauung um 1900 erhielt sie den Namen Kaiserin-Augusta-Straße, nach 1945 erfolgte die heutige Benennung. Leider sind die schönen Eckgebäude einem großen Bombenangriff im März 1945 zum Opfer gefallen.

Im sich anschließenden Bereich geht es ein wenig um die Geschichte der wenigen hier befindlichen Geschäfte, zu DDR-Zeiten gab es hier durchaus nützliches zum täglichen Bedarf, heute geht oder fährt man um die Ecke zum Discounter….

Die Feinbäckerei Schmidt, ein Lebensmittelgeschäft, Gemüsehändler, eine Fleischerei….

Das sich unter dem Nummer 70 auf der gegenüberliegenden Seite die Gaststätte „Lindengarten“ des 1896 hier nachgewiesenen Gastwirts Thieme, später ein Herr Schlak, dann ein Herr Cranz und schließlich der Actien-Gesellschaft Brauerei Moabit befand. 1906 tauchte ein Herr Stephan als Pächter auf. Im Saal und auf der Gartenbühne war Sonntagnachmittag Tingel-Tangel. Gastwirt Stephan engagierte Artisten und Vortragskünstler und ab Ende 1911 gab es Kino. Es war bereits das zweite Kino in Niederschönhausen. Im Januar 1911 war im Festsaal der Gaststätte „Gesellschaftshaus Thiele“ das erste eröffnet worden, es besteht heute noch bzw. wieder als „Blauer Stern“.

Die Filme waren damals kurz – nach zehn Minuten Spielzeit folgten sieben Minuten Pause zum Verkauf von Bier, Limonade, belegten Brötchen….

Stephan selbst bezeichnete sein Etablissement als „vornehmstes und größtes Theater der nördlichen Vororte“. (Das Café „Größenwahn“ stand aber doch woanders – der Verfasser!)

Im Mai 1918 begann man mit Reparaturarbeiten, machten aber nie wieder auf.

Etwa 1923 machte das Ausflugslokal, es folgten auf dem Gelände eine Möbelfabrik und eine Tischlerwerkstatt….

Von weitem erkennen wir den früheren Bismarckplatz, zu „unseren“ Zeiten „Kurti“ von Kurt-Fischer-Platz genannt, heute Pastor-Niemöller-Platz und Schlusspunkt der Grabbeallee.

Rechterhand sind noch die letzten alten Gehöfte im Ansatz erkennbar, auf der linken Seite stehen Wohngebäude aus den 1930er Jahren. Damals war hier der vorletzte Umbau der Eingangssituation zum „Bismarckplatz“ erfolgt.

Einst stand hier aber das älteste Gartenrestaurant in der „Lindenstraße“. Settekorns Gartenrestaurant, zeitweise auch „Waldschlösschen“ bot eine große Rummelwiese, auf der es auch Erntefeste gab. Nach dem Tod des Gastwirts 1903 führten seine Witwe und sein Sohn das Haus bis in den ersten Weltkrieg weiter, dann lag das Gelände lange brach, zeitweise gab es Kioske, bis man die Straße verbreitete, den „Bismarckplatz“ vergrößerte und 1937/38 den Wohnkomplex errichtete.

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19.4.18 Nach Arkenberge

Berliner Stadtwanderung 2018. V. Nach Arkenberge

Treff: Französisch-Buchholz, Hast. Hugenottenplatz zur Ankunft Bus 154 10:42 Anfahrthinweis Bus 154 U Elsterwerdaer Platz ab 9:43…. Alt-Marzahn 9:55, S Hohenschönhausen 10:12, S Blankenburg (S 2, S 8) 10:42

oder auch mit Tram 50, Bus 124, 259

Rückfahrt ab Arkenberge stündlich z.B. 15:27, mit Umstieg in Niederschönhausen auf Straßenbahn an 16:06 S+U Schönhauser Allee

Oder aber zu Fuß weiter nach Schildow-Mönchmühle, z.B. mit Einkehr zur Rast im „Kastanienhof“ (max. 2 km zusätzlich, vor Ort gibt es sonst keine Einkehrmöglichkeit!

Preis inkl. Führung 5,-€

Wegstrecke: ca. 6 – 7 km

 

Unsere heutige Stadtwanderung startet am Hugenottenplatz in „Französisch-Buchholz“, besser gesagt inmitten des in den 1990er Jahren entstandene Stadtquartier „Buchholz-West“. An das „französische“ in Buchholz erinnern heute vor allem nach den ersten Hugenottenfamilien benannte Straßen und Wege, sowohl im „neuen Viertel“, als auch in den nördlich anschließenden Gartensiedlungen, die früher in der Regel Nummern als Straßennamen trugen.

Das Angerdorf Buchholz wurde wahrscheinlich um 1230 gegründet, wie die meisten Dörfer auf dem südlichen Barnim. Erstmals wird das Dorf Buckholtz in einer Urkunde von 1242 erwähnt, als Grenzort von Schönerlinde. Das Landbuch Karls IV. von 1375 weist für Buchholz 52 Hufen aus, davon vier Pfarrhufen und eine Kirchhufe. Acht Freihufen gehören denen von Bredow. Da nach dem Dreißigjährigen Krieg viele Kossäten- und Bauernhöfe in Buchholz verwüstet oder verlassen waren, wurde im Ergebnis des Edikts von Potsdam 1685 durch den Staatsminister Joachim Ernst von Grumbkow eine „französische Kolonie“ durch Ansiedlung von Hugenotten gebildet. So ließen sich 1687 die ersten zehn Bauern- und sechs Gärtnerfamilien aus Frankreich hier nieder. 1688 sind bereits 87 Siedler nachweisbar. Sie bauten hier bisher unbekannte Pflanzen wie grüne Bohnen,  Blumenkohl,  Spargel,  Artischocken sowie verschiedene  Küchenkräuter an und pflanzten  Obstbäume. Ab etwa 1750 bürgerte sich die Bezeichnung  Französisch Buchholz ein. Das Dorf wurde zu einem beliebten Ausflugsziel der Berliner.

Mit dem Dorf hatten wir uns bereits einmal näher beschäftigt. Unser Weg führt nordwärts durch die neuen und etwas älteren Siedlungen am Rande von Französisch-Buchholz und damit auch Berlins.

Am Rande einer gleichnamigen Kleingartenanlagen erreichen wir das frühere Naturschutzgebiet, seit 1994 „geschützter Landschaftsbestandteil“ Krugpfuhl. Das ca. 1,5 ha große Gebiet ist in drei unterschiedliche Becken unterteilt, die durch Dämme voneinander getrennt sind. Das Ergebnis geologischer Bohrungen lässt vermuten, dass es sich bei dem Krugpfuhl um eine ehemalige Mergelgrube handelt. Mergelgruben entstanden durch die Gewinnung von Baurohstoffen oder Boden verbessernden Baustoffen. Die drei unterschiedlichen Becken weisen auf eine spätere Nutzung als Fischzuchtbecken hin.

Im Spätsommer 1999 wurde der Krugpfuhl als Ersatzmaßnahme für die Eingriffe des Bauvorhabens Buchholz-West wieder vernässt. Der Erhalt des Krugpfuhls nur mit Niederschlag war nicht möglich, da das Wasserangebot unzureichend war. Das erste Becken des Pfuhls wurde komplett abgedichtet, um ein vorzeitiges Abfließen des anstehenden Wassers zu verhindern. Zusätzlich wird der Krugpfuhl mittels Solarpumpe (Photovoltaikanlage) mit zusätzlichem Grundwasser und aus dem Vorschaltbecken durch den Überlauf mit Dachwässern des benachbarten Wohngebietes versorgt. Das Ziel der Wiedervernässung ist eine langzeitige Wasserführung, sowie die Verbesserung der Wasserqualität.
Im Zusammenspiel mit anderen Feuchtgebieten der Umgebung (Koppelpfuhl, Teiche in Kleingärten) ist der Krugpfuhl eines der größten Amphibienlaichgewässer des Bezirkes Pankow. Neben einer großen Braunfroschpopulation (bis zu 1.600 Grasfrösche, ca. 900 Moorfrösche) findet man hier eine stabile Teichfroschpopulation mittlerer Größe, sowie kleine Bestände der Erd- und Knoblauchkröte. Vereinzelt sind auch Teich- und Kammmolche anzutreffen. Das Gebiet wird besonders von den Braunfröschen zur Überwinterung genutzt. Die anderen Amphibien wandern erst zur Laichzeit in dieses Gebiet ein. Alle vorkommenden Froscharten wurden in der Roten Liste Berlins als gefährdet eingestuft. Der angrenzende Krugpfuhlgrünzug –den wir gerade passierten- dient den Bewohnern des neuen Wohngebietes Buchholz-West als Erholungsfläche.

Für uns geht es durch die Wielke-Siedlung, in der Nähe befinden sich die „Elisabethaue“ und „Marthas Aue“. Am Rande einer weiteren Kleingartenanlage, findet sich als ein weiteres Biotop das NSG Idehorst.

Aus einer Wiese und einem Wäldchen besteht dieses NSG, das zum Ziel hat, ein kleines Stück ehemalige Kulturlandschaft zu erhalten. Es befindet sich im tiefsten Teil einer eiszeitlichen Toteisrinne, in der sich einst Flachmoortorf bildete. Mit 208 Pflanzenarten ist die Frischwiese sehr artenreich – eben eine richtige Blumenwiese! Die blütenreiche Wiesenfläche wird von einem Landwirt in Absprache mit den zuständigen Naturschutzbehörden ein- bis zweimal im Jahr gemäht. Beachtliche 275 Schmetterlingsarten konnten auf der Wiese nachgewiesen werden. Aus dem Idehorstwäldchen lacht oft lauthals der Grünspecht.

Wir blicken über die Landschaft am Rande der Stadt hinüber zur hohen Kippe der Arkenberge. Die Feld- und Wiesenlandschaft läuft unter dem Namen „Landschaftsschutzgebiet Blankenfelde“.

Das Dorf selbst ist heute kein Thema.

Möllersfelde war einst ein Vorwerk von Blankenfelde.

Das Vorwerk Möllersfelde hieß noch 1817 „Schötzsches Etablissement“, wurde später zu Müllersfelde und erhielt letztlich den heutigen Namen und gehörte mit Stallanlagen noch bis 1990 zum Stadtgut Blankenfelde. Die Entwicklung des Gebietes ist durch die zeitweilige Nutzung in der Rieselfeldwirtschaft beeinflusst gewesen. Der heute amtlich so benannte Ort mit der Grundstücksbezeichnung „Möllersfelde 1“ liegt nahe der Anschlussstelle zur A 114 Schönerlinder Straße, rund 440 Meter an einem unbenannten Weg in Verlängerung von Am Schafstall in Richtung Arkenberge. Hier befindet sich aktuell ein Reiterhof. Im Silvaplan von 1925 ist durch die Rieselfelder an Möllersfelde vorbei ein Fahrweg zwischen Schönerlinder Straße und Hauptstraße (in Höhe der heutigen KGA Arkenberge) angegeben, der von Fahrwegen auf der Trasse des Möllersfelder Wegs und von der (vormaligen) Bernauer Heerstraße gekreuzt wird.

805 Hektar umfasst das LSG „Blankenfelde“. Hier leben streng geschützte Vogelarten, zum Beispiel Kranich, Zwergdommel, Neuntöter, Roter Milan und Wachtelkönig. 31 Tagfalterarten gibt es. Die Gebiete Zingergrabenniederung und die „Kiesseen Arkenberge“ zeichnen sich durch seltene Pflanzenarten wie die Grasnelke aus.

Die Zingergrabenniederung haben wir schon bewandert, nun geht es zu den Kiesseen bei Arkenberge. Zuvor passieren wir – das ist nur scheinbar ein Widerspruch – das größte Hundeauslaufgebiet Berlins.

In den Hecken und rund um den Blankenfelder Graben – dem Klärwerksableiter von Schönerlinde – und schliéßlich am und um den Kiessee und den daneben liegenden sogenannten „Biotopsee“ gibt es noch genug Rückzugsmöglichkeiten für Fauna und Flora. Letztens jubelten weit über die Landschaft die Lerchengesänge und ein Milanpaar kreiste iom Hochzeitsflug über der Szenerie.

„Arkenberge“ stand ursprünglich für einen natürlichen Hügelzug in diesem Bereich. Die ursprünglichen Arkenberge waren eine natürliche Hügelkette pleistozänen Ursprungs. Auf einem Messtischblatt von 1911 ist ihre größte Höhe mit 70,3 Meter angegeben. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Kiesvorkommen der Berge für Baumaßnahmen in Berlin und Umgebung verwendet. Neben der Einebnung des Geländes führte dies auch zur Bildung von zwei Kiesseen, von denen der größere als Arkenberger Baggersee (oder einfach Kiessee) bezeichnet wird. Auf anderen Flächen wurde eine Mülldeponie angelegt mit inzwischen 36 ha Fläche, die heute für Bauschutt und andere Abfälle genutzt wird. Hinzu kam, dass in den 1950er Jahren die Eisenbahntrasse des Berliner Außenrings durch das Gebiet gelegt wurde. Der höchste Punkt der verbliebenen Hügelkette hat eine Höhe von 64,8 Metern, das umliegende Gelände liegt zwischen 53 und 57 Metern Höhe. Seit den 1930er Jahren entstand im Bereich der Arkenberge die Siedlung Berlin-Arkenberge.

Ab 1999 wurden Bauabfälle zur Verwertung zwecks Profilierung und Rekultivierung des Deponiekörpers angenommen. Dabei war vorgesehen, dass ein Berg mit zwei Aussichtsplateaus, die durch einen Sattel optisch getrennt sind, entstehen soll. Infolge der Neuvermessung ergab sich, dass dort oben mit einer Höhe von 120,7 m üNN der höchste Punkt Berlins liegt. Man kann bzw. sollte trotzdem nicht hinauf. Die geplante Entwicklung einer Erholungslandschaft scheint ins Stocken geraten zu sein. Für die Natur vielleicht gar nicht so verkehrt.

Im Jahr 1932 wurde die Kleingartenanlage Arkenberge gegründet. Auf 72 Parzellenentlang der Hauptstraße entstanden daraufhin Wohnlauben, die bis heute die Unterkünfte der Bewohner der Arkenberge bilden. Daneben gibt es etwa einen Kilometer nordöstlich der Siedlung die Kleingartenanlage Arkenberger Grund mit einigen Schrebergärten.

Seit den 1980er Jahren ist das Gebiet an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen. 1987 wurde die erste  Busverbindung  in die Siedlung eröffnet. Derzeit verkehren werktags etwa zehn Busfahrten der Linie 107 nach Arkenberge, am Wochenende etwa die Hälfte. Etwa 2,5 Kilometer nördlich wurde im Jahr 1983 am Berliner Außenring der Haltepunkt Mühlenbeck-Mönchmühle der S-Bahn Berlin eröffnet. Im Zusammenhang mit geplanten Wohnungsbausiedlungen war auch ein Haltepunkt Arkenberge im Gespräch, erste Baumaßnahmen an den Bahnsteigen liefen Ende der 1980er Jahre an. Zum Bau dieser Wohngebiete und des Bahnhofes ist es nicht gekommen.

Leider gibt es hier vor Ort weder Laden noch gastronomische Versorgung. Wir müssen entweder mit dem Bus nach Niederschönhausen hinein fahren oder aber bis Schildow-Mönchmühle (ca. 1,5 bis 2 km) weiter laufen und dort zum Beispiel im „Kastanienhof“ rasten oder aber mit der S-Bahn ab Mühlenbeck-Mönchmühle wieder stadtwärts fahren (hier aber jeweils ein Anschlussticket Berlin C erforderlich!).

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14.4.18 Eilenburg – Stadt der Heinzelmännchen

Treff: Neu wegen Bauarbeiten. Berlin Hbf tief ab 7:10, zur Abfahrt des RE Richt. Falkenberg (Elster) 07:35, Gleis 4. Zurück ab 15:25 bzw. spätestens 16:28, an 18:40 bzw. spätestens 19:28 Berlin-Hbf

  • – via Doberlugk-Kirchhain bzw. Falkenberg (Elster)

zwischen Cottbus und Berlin sowie Calau und Berlin am Veranstaltungstag kein durchgehender Bahnverkehr.

Preis inkl. Fahrkosten (Wochenendticket) ab Treffpunkt am Ausgangsbahnhof, Führung, Begleitung 27,-€ p.P.

 

„Wie war zu Köln es doch vordem, mit Heinzelmännchen so bequem“, so beginnt die bekannte Geschichte von den Heinzelmännchen, jenen winzigen Gesellen, die des Nachts in aller Stille fleißig gute Taten vollbrachten. Die treuen Helfer verschwanden aber wie vom Erdboden und kehrten nie wieder zurück, nachdem des Schneiders Weib in ihrer Neugier Erbsen ausstreute, über die die kleinen Wichte purzelten.
Doch die Heinzelmännchen stammen gar nicht aus Köln, wie es die Geschichte suggeriert. Ihre Heimat liegt in dem beschaulichen Städtchen Eilenburg am Ufer der Mulde. Einst lebten sie dort in einem riesigen unterirdischen Labyrinth unter der Burg und der Stadt Eilenburg, so erzählt es die Sage. Dieses Labyrinth gibt es tatsächlich: ein gigantisches Tunnel- und Kellersystem aus Ziegelsteinen. Neugierig macht sich Janine Strahl-Oesterreich auf den Weg, um die Geheimnisse der Eilenburger Heinzelmännchen zu ergründen. Sie will die ganze Wahrheit über Herkunft, Leben und Wirken der sagenhaften, scheuen Wesen erkunden und macht ganz erstaunliche Entdeckungen. Ein Findling mit einer mysteriösen Inschrift legt nahe, dass die Heinzelmännchensage schon im 13. Jahrhundert in Eilenburg kursierte. Einiges spricht dafür, dass die bekannten Heinzelmännchen im Grunde der sorbischen Sagenwelt entspringen, denn auch die Sorben, die früher die Eilenburger Gegend besiedelten, erzählten sich von kleinen Zauberwesen, die sie Lutki, die Leutchen nannten.

(Zitat Heidi Mühlenberg, MDR, 2016)

 

Nun also zur Sage selbst:

Das kleines Volkes Hochzeitsfest

Das kleine Volk auf der Eilenburg in Sachsen wollte einmal Hochzeit halten und zog daher in der Nacht durch das Schlüsselloch und die Fensterritzen in den Saal der Burg, und es sprang hinab auf den glatten Fußboden, wie Erbsen auf die Tenne geschüttet werden.
Davon erwachte der alte Graf, der im hohen Himmelbette in dem Saale schlief und verwunderte sich über die vielen kleinen Gesellen. Da trat einer von ihnen, geschmückt wie ein Herold, zu ihm heran und lud ihn in geziemenden Worten gar höflich ein, an ihrem Feste teilzunehmen.
„Doch um eins bitten wir,“ setzte er hinzu, „Ihr allein sollt zugegen sein; keiner von Eurem Hofgesinde darf sich unterstehen, das Fest mitanzuschauen, auch nicht mit einem einzigen Blicke.“
Nun ward ihm ein kleines Weiblein zugeführt, kleine Lampenträger stellten sich auf, und eine Heimchenmusik hob an. Der Graf hatte Mühe, das Weibchen beim Tanze nicht zu verlieren, das ihm so leicht daher sprang und endlich so im Wirbel drehte, dass er kaum zu Atem kommen konnte. Mitten in dem lustigen Tanz aber stand auf einmal alles still, die Musik hörte auf und der ganze Haufen eilte nach den Türspalten, Mauselöchern oder wo sonst ein Schlupfwinkel war. Das Brautpaar aber, die Herolde und Tänzer schauten aufwärts nach einer Öffnung, die sich oben in der Decke des Saales befand und entdeckten dort das Gesicht der alten Gräfin, welche vorwitzig nach der lustigen Gesellschaft herabschaute.
Darauf neigten sie sich vor dem Grafen, und derselbe, der ihn eingeladen, trat wieder hervor und dankte ihm für die erzeigte Gastfreundschaft. „Weil aber“ sagt er dann, „unsere Freude und unsere Hochzeit also ist gestöret worden, dass noch ein anderes menschliches Auge darauf geblickt hat, so soll fortan Euer Geschlecht nie mehr als sieben Eilenburger zählen.“ Darauf drängten sie nacheinander schnell hinaus; bald war es still, und der alte Graf war wieder allein im finstern Saale.
Die Verwünschung ist bis auf die gegenwärtige Zeit eingetroffen, und immer starb einer von den sechs lebenden Rittern Eilenburgs, ehe der siebente geboren war.

(Brüder Grimm)

 

Nicht nur bei den Brüdern Grimm ist die Sage von „Des kleinen Volkes Hochzeitsfest“ zu finden; auch Ludwig Bechstein verwendet sie in seinen „Deutschen Märchen und Sagen“ unter dem Titel „Der Graf von Eilenburg und die Zwerge“.

 

Kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe schließlich hat die Sage zu einem Gedicht „Hochzeitslied“ verarbeitet, das wiederum der Komponist Carl Loewe als Ballade vertonte:

 

Wir singen und sagen vom Grafen so gern,

Der hier in dem Schlosse gehauset,

Da, wo ihr den Enkel des seligen Herrn,

Den heute vermählten, beschmauset.

Nun hatte sich jener im heiligen Krieg

Zu Ehren gestritten durch mannigen Sieg.

Und als er zu Hause vom Rösselein stieg,

Da fand er sein Schlösselein oben,

Doch Diener und Habe zerstoben.

 

„Da bist du nun, Gräflein, da bist du zu Haus;

Das Heimische findest du schlimmer!

Zum Fenster, da ziehen die Winde hinaus,

Sie kommen durch alle die Zimmer.

Was wäre zu tun in der herbstlichen Nacht?

So hab ich doch manche noch schlimmer vollbracht,

Der Morgen hat alles wohl besser gemacht.

Drum rasch, bei der mondlichen Helle

In’s Bett, in das Stroh, in’s Gestelle!“

 

Und als er im willigen Schlummer so lag,

Bewegt es sich unter dem Bette.

„Die Ratte, die raschle, solange sie mag!

Ja, wenn sie ein Bröselein hätte!“

Doch siehe! da stehet ein winziger Wicht,

Ein Zwerglein so zierlich mit Ampelenlicht,

Mit Rednergebärden und Sprechergewicht,

Zum Fuß des ermüdeten Grafen,

Der, schläft er nicht, möcht er doch schlafen.

 

„Wir haben uns Feste hier oben erlaubt,

Seitdem du die Zimmer verlassen,

Und weil wir dich weit in der Ferne geglaubt,

So dachten wir eben zu prassen.

Und wenn du vergönnest und wenn dir nicht graut,

So schmausen die Zwerge, behaglich und laut,

Zu Ehren der reichen, der niedlichen Braut.“

Der Graf im Behagen des Traumes:

„Bedienet euch immer des Raumes!“

 

Da kommen drei Reiter, sie reiten hervor,

Die unter dem Bette gehalten;

Dann folget ein singendes klingendes Chor

Possierlicher kleiner Gestalten;

Und Wagen auf Wagen mit allem Gerät,

Daß einem so Hören als Sehen vergeht,

Wie’s nur in den Schlössern der Könige steht;

Zuletzt auf vergoldetem Wagen

Die Braut und die Gäste getragen.

 

So rennet nun alles in vollem Galopp

Und kürt sich im Saale sein Plätzchen;

Zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp

Erkieset sich jeder ein Schätzchen.

Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,

Da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,

Da pispert’s und knistert’s und flistert’s und schwirrt;

Das Gräflein, es blicket hinüber,

Es dünkt ihn, als läg er im Fieber.

 

Nun dappelt’s und rappelt’s und klappert’s im Saal

Von Bänken und Stühlen und Tischen,

Da will nun ein jeder am festlichen Mahl

Sich neben dem Liebchen erfrischen;

Sie tragen die Würste, die Schinken so klein

Und Braten und Fisch und Geflügel herein;

Es kreiset beständig der köstliche Wein;

Das toset und koset so lange,

Verschwindet zuletzt mit Gesange.

 

Und sollen wir singen, was weiter geschehn,

So schweige das Toben und Tosen.

Denn was er so artig im kleinen gesehn,

Erfuhr er, genoß er im großen.

Trompeten und klingender singender Schall

Und Wagen und Reiter und bräutlicher Schwall,

Sie kommen und zeigen und neigen sich all,

Unzählige, selige Leute.

So ging es und geht es noch heute.

 

In die historischen Bergkeller selbst können wir heute nicht hinein schauen, sie öffnen in der Saison für größere Besuchergruppen bzw. gibt es öffentliche Führungen (ab 28. April), leider haben weder das Heimatmuseum noch die anschließende Stadtinformation, die das organisieren würden, am heutigen Sonnabend geöffnet. Aber selbstverständlich besteigen wir den Burgberg.

Die Geschichte von den Heinzelmännchen treffen wir zuvor am Marktbrunnen wieder. Seit Oktober 2000 sprudelt der Heinzelmännchenbrunnen in der jetzigen Form auf dem Markt. Entworfen hat ihn der Brehnaer Künstlers Michael Weihe, der damit an die von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben Sage von den Heinzelmännchen zu Eilenburg anknüpft. Die Geschichte des Marktbrunnens selbst reicht rund 300 Jahre zurück. Von 1712 an erfreute über 140 Jahre ein Brunnen mit Neptunfigur auf dem Markt die Eilenburger Bürgerschaft. Sein 1969 errichteter schlicht gehaltener Nachfolger sprudelte dagegen nur wenige Jahrzehnte. Mögen nun die Ritter recht lange plätschern.

Am Rande des begehbaren, sechs Meter Durchmesser großen Brunnens stehen sechs Ritter aus Postaer graugelbem Sandstein. Sie haben allesamt eine Grundfläche von etwa 40 mal 40 Zentimeter und sind zwischen einem und zweieinhalb Meter groß. Aus ihnen sprudelt in Intervallen Wasser auf das vorher verlegte Kleinpflaster. In der Mitte der Ritter befindet sich außerdem ein etwa ein Meter hohes Heinzelmännchen aus Bronze.

Das ist aber nicht unsere erste Begegnung mit den „Heinzelmännchen“ auf unserem Weg durch die Große Kreisstadt Eilenburg am Rande der Dübener Heide.

Schon im Stadtpark begegnet uns eine Heinzelmännchen-Skulptur.

Der Park, der auf insgesamt etwa zwölf Hektar in Zentrumslage Platz für Ruhe und Entspannung bietet, wurde 1870 vom Eilenburger Unternehmer Wilhelm Ferdinand Mitscherlich (1826 – 1895) begründet. In ihm befinden sich auch der Tierpark, ein Spielplatz und der Schwanenteich. Unmittelbar am Bahnhof befindet sich das Rosarium. Dieses wahre Prachtstück des Garten- und Landschaftsbaus entstand 1932/1933 während der Weltwirtschaftskrise im Rahmen einer ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme). Die Gestaltungsidee für diesen Rosengarten soll vom späteren langjährigen Stadtgärtner Edwin Köhler gekommen sein. Im Jahre 2004 wurden, bedingt vor allem durch die Schäden des Jahrtausendhochwassers im August 2002, tief einschneidende Pflegemaßnahmen im Gehölzbestand erforderlich. Dieser umfasst allein 1200 bis 1300 Bäume (ohne Tierpark).

Etwas spaßig gemeint ist die fiktive Figur des „Heinz Elmann“. Im Stadtpark steht der „Heinz Elmann“ auf einem gestalteten Baumstamm, am Anger als Angler, nur um Beispiele zu nennen.

Eine der wichtigsten Auszeichnungen der Stadt ist übrigens der „Heinzel-Preis“.

Nun einiges zur Geschichte Eilenburgs im Überblick

Die Große Kreisstadt Eilenburg ist eine Stadt an der Mulde im Nordwesten von Sachsen am Rand der Dübener Heide, zirka 20 Kilometer nordöstlich der Universitäts- und Messestadt Leipzig. Die Stadt gehört zum Landkreis Nordsachsen und hat knapp 16.000 Einwohner; Im Jahr 961 fand erstmals die „civitas Ilburg“ in einer Urkunde Ottos I. Erwähnung. Mit Friedrich I. von Wettinbegann die Herrschaft der Wettiner über Stadt und Land. Die Burg Eilenburg gilt als Wiege Sachsens, da mit derBelehnung Heinrichs I. von Eilenburg mit der Mark Meißen im Jahr 1089 der sächsische Territorialstaat gegründet wurde. Im Schutze der auf einem Hochplateau errichteten Burg entstand um 1200 eine planmäßige Stadtanlage an der Via Regia. Im Dreißigjährigen Krieg drohte der Stadt 1639 die völlige Zerstörung durch die Schweden, was durch den Bittgottesdienst Martin Rinckarts verhindert werden konnte. Der Friede von Eilenburg beendete schließlich im September 1648 den Krieg für Sachsen. 1813 bezog Napoleon I. Quartier in Eilenburg und nahm dort die letzte Heerschau seiner verbündeten sächsischen Truppen vor der Völkerschlacht bei Leipzig ab. Das durch die Bestimmung des Wiener Kongresses an Preußen abgetretene Eilenburg entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden industriellen Zentrum. Die Bevölkerungsexplosion und die daraus entstandenen schweren sozialen Spannungen beförderten die Beantwortung der Sozialen Frage durch die Eilenburger. So führte der Fabrikant Carl Degenkolb in seiner Fabrik die ersten Betriebsräte in Deutschland ein. Der Arzt Anton Bernhardi und seine Mitstreiter gründeten 1849 mit der Lebensmittelassociation die erste Konsumgenossenschaft und ein Jahr später mit dem Eilenburger Darlehnskassenverein die erste wirkliche Kreditgenossenschaft in Deutschland.

Während des alliierten Beschusses im Zweiten Weltkrieg wurden etwa 90 Prozent der Stadt zerstört. Nach den Jahren des Wiederaufbaus stagnierte die Entwicklung in der Stadt. Der Mangel und die Umweltbelastung durch die Industrie veranlassten auch die Eilenburger Bürger im Herbst 1989 zu friedlichen Demonstrationen. Nach der Wende zerfiel die gewachsene Industriestruktur. Starke Abwanderung und eine niedrige Geburtenrate versetzten die Stadt in einen bis heute währenden Schrumpfungsprozess. Gleichzeitig konnte sich durch den Niedergang der Industrie der sanfte Tourismus entwickeln. Die Stadt, als „Muldestadt mit grünem Herzen“ vermarktet, ist heute Station nationaler und internationaler Fremdenverkehrsrouten….

Soweit das elektronische Nachschlagewerk.

Neben den Heinzelmännchen werden uns bei unserem Rundgang durch die Stadt vor allem interessante Persönlichkeiten begegnen, die zum Teil eine überörtliche Bedeutung haben.

Da wäre natürlich Martin Rinckart, der uns vor allem im Zusammenhang mit der Stadtkirche St. Nikolai begegnet. Martin Rinckart (* 23. April 1586  in  Eilenburg; † 8. Dezember 1649 ebenda) war ein deutscher Dichter, protestantischer Theologe und Kirchenmusiker der Barockzeit. Rinckart, Sohn des Böttchermeisters Georg R. und seiner Frau Salome, besuchte zuerst ab 1591 die Schule in Eilenburg und wurde sodann 1601 Thomasschüler in Leipzig. Ab 1604 Mitglied des Thomanerchores, studierte er gleichzeitig (seit 1602) Theologie und Philosophie an der Leipziger Universität. 1610 wurde Rinckart Kantor an der Kirche St. Nikolai in Eisleben und Lehrer an der dortigen Lateinschule, 1611 Diakonus ebenda an der St.-Annen-Kirche…

…1617 wurde er als Archidiakonus an die Kirche St. Nikolai in seine Vaterstadt Eilenburg berufen; hier wirkte er während des Dreißigjährigen Krieges unter großen Nöten (Hunger, Pest) und rettete die Stadt 1639 vor Plünderung und Brandschatzung durch die Schweden (Bittgottesdienst).

Von seinen vielen Schriften und Lieddichtungen blieb vor allem das weltweit bekannte und beliebte Kirchenlied „Nun danket alle Gott“ lebendig. Der Text erschien erstmals im Anhang zu seinem Jesu Herzbüchlein, das 1636 in Leipzig veröffentlicht wurde, während die Melodie erstmals 1647 in Johann Crügers  Gesangbuch Praxis pietatis melica erschien. Nachhaltige Berühmtheit erhielt das Lied als Choral von Leuthen, nachdem am Abend der Schlacht von Leuthen  die überlebenden preußischen Soldaten Rinckarts Lied anstimmten. Im 19. Jahrhundert verfasste Catherine Winkworth die englische Übersetzung „Now thank we all our God“.

Rinckarts Grab befindet sich in der Eilenburger Nikolaikirche.

Auf Bernhardi und Degenkolb hatte ich schon hingewiesen, der Arzt Bernhardi gilt ürigens auch als Erfinder des Kalksandsteins als preiswertes Baumaterial!

Ein weiterer bekannter Arzt wurde in Eilenburg geboren, Dr. Hermann Hartmann, Gründer der heute noch bestehenden Standesvereinigung „Hartmannbund“.

Eine kleine Dynastie von Schauspielern bzw. Schriftstellern „begründete“ der 1840 in Eilenburg geborene Oskar Höcker mit seinem Sohn Paul Oskar Höcker und seinem Bruder Gustav Höcker. Sein Vater war noch in der Textilindustrie tätig.

Auch an den zu DDR-Zeiten beliebten Jugendbuchautor Karl Neumann kann erinnert werden und jetzt sind wir in der früheren Gemeinde „Gut Berg von Eilenburg“.

Hier wurde unter anderem Karl August Möbius, 1825 in Eilenburg geboren, bedeutender Zoologe und auch einer der ersten ernst zunehmenden Ökologen Deutschlands. Er beschäftigte sich zunächst vor allem mit Möglichkeiten und Grenzen von Fischzucht und insbesondere künstlicher Austern- und Miesmuschelzucht. Weiterhin trug Möbius zur Schaffung eines systematischen Biologieunterrichts im damaligen Preußen bei. 1888 übernahm Möbius die Leitung und Neueinrichtung der Zoologischen Sammlung im neuen Museum für Naturkunde in Berlin und die Professur für systematische und geographische Zoologie an der dortigen Universität. Zum beiderseitigen Vorteil für Besucher und Forscher trennte er im Museum die wissenschaftliche Hauptsammlung von der öffentlichen Schausammlung. Zugleich wurde er Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Im Alter von 80 Jahren beendete er am 30. Dezember 1905 seine wissenschaftliche Tätigkeit. Als letztes seiner Werke veröffentlichte er die „Ästhetik der Tierwelt“ (1908).

Christian Ludwig Liscow (* 26. April 1701 in Wittenburg; † 30. Oktober 1760 auf Gut Berg vor Eilenburg) war ein deutscher Staatsdiener und sprachmächtiger Satiriker in der Zeit der Aufklärung. Seine vornehmlich auf die „Thorheiten“ zeitgenössischer, noch lebender Personen gezielten Polemiken waren umstritten….

Im Juli 1741 wurde Liscow Privatsekretär beim sächsischen Minister Graf Heinrich von Brühl. Dieser beförderte ihn zum Königl. Kabinettssekretär und 1745 zum Kriegsrat. In diesem Jahr heiratete Liscow die Witwe Johanna Buch, geb. Mylius. Mit ihr hatte er zwei Töchter und drei Söhne. Ende 1749 wurde Liscow der Verschwörung gegen den Grafen von Brühl bezichtigt, seiner Ämter enthoben, vorübergehend eingekerkert und im April 1750 aus Dresden ausgewiesen. Er verbrachte seinen Lebensabend auf dem Landgut Berg bei Eilenburg, das seiner Ehefrau gehörte und wo er 1760 auch starb. Liscow wurde in der Marienkirche unweit seines Alterssitzes beigesetzt.

Die Marienkirche (Bergkirche) ist heute leider nicht geöffnet.

Auf Gut Berg vor Eilenburg wurde am 17. November 1803 der Novellendichter Karl Eduard von Bülow geboren. Er entstammte dem mecklenburgischen Uradelsgeschlecht von Bülow. Sein Vater war der königlich-sächsische Major Ernst von Bülow.

Seine Taufe erhielt er am 27. November desselben

Jahres von Pastor Franz Gotthard Abt, dem Vater des Liederkomponisten Franz Abt in der Pfarrkirche Sankt Marien.

1805 zog die Familie nach Dresden. Bülow studierte in Leipzig alte Sprachen. 1828 lernte er in Dresden den romantischen Schriftsteller Ludwig Tieck kennen, mit dem er ein Leben lang eine Freundschaft pflegte. Im selben Jahr ehelichte Bülow Franziska Elisabeth Stoll von Berneck (1800–1888). Dieser Ehe entstammten drei Kinder. Der einzige Sohn, Hans von Bülow (1830–1894), wurde ein weltberühmter Pianist und Dirigent. Bülow trug als Herausgeber von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, Novalis, Heinrich von Kleist und anderen wesentlich zur Frühgeschichte der Germanistik bei. Im Jahre 1846 siedelte die Familie von Bülow in die Residenzstadt Stuttgart über.

Mit seiner zweiten Ehefrau zog es ihn später in die Schweiz, wo er am 16. September 1853 auf Schloss Oetlishausen (Kanton Thurgau) starb.

Neben der erwähnten Bergkirche St. Marien stand das Geburtshaus des bereits erwähnten Franz Abt. Franz Wilhelm Abt (* 22. Dezember 1819 in Eilenburg; † 31. März 1885 in Wiesbaden) war ein deutscher Komponist und Kapellmeister. Seinen ersten Musikunterricht erhielt er durch seinen Vater. Nach dem Abitur an der Thomasschule studierte er Theologie und Musik in Leipzig. Zeitgenossen waren dort unter anderem Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Nach seinen Studien war er als Kapellmeister in Bernburg (Saale) sowie als Chordirektor in Zürich tätig. Mitte des 19. Jahrhunderts nahm er einige Jahre die Funktion des Leiters der Abonnementskonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft (AMG) in Zürich wahr.

1853 wurde Abt an das Hoftheater Braunschweig berufen, wo er dreißig Jahre lang als Hofkapellmeister wirkte und sich dem Chorwesen widmete. So gründete er eine „Singakademie“, war Dirigent des Braunschweiger Männergesangvereins und „General-Gesangsmeister“ bei den Festen des Bundes Norddeutscher Liedertafeln. In dieser Zeit komponierte er insgesamt 3000 Werke, vor allem Chor- und Klavierlieder.

Abt war Mitglied der Freimaurer, seiner Braunschweiger Loge Carl zur gekrönten Säule widmete er mehrere Kantaten.

Zahlreiche Konzertreisen führten ihn unter anderem nach Frankreich, England und Russland. 1872 besuchte er Nordamerika und gab mit seinem Chor in vielen großen Städten der USA Konzerte.

Mit Anfang Sechzig musste er sich 1882 wegen einer Krankheit zur Ruhe setzen. Er entschied sich, seinen Alterssitz in Wiesbaden zu nehmen, und wohnte in der Taunusstraße. Nach kurzer Krankheit starb Franz Abt hier am 31. März 1885. Es wird berichtet, dass sämtliche Laternen in den Straßen, durch die der Trauerzug führte, angezündet und mit schwarzem Stoff bespannt waren. Es war eine der größten Beerdigungen in Wiesbaden.

Der Name Eilenburg ist wie die meisten Ortsnamen der Region slawischen Ursprungs. Er leitet sich von der Burg Eilenburg ab, die erstmals im Jahr 961 als Ilburg erwähnt wurde. Nach dieser Burg tragen die Eulenburg (Adelsgeschlecht) ihren Herkunftsnamen.

Das an die Burg angrenzende Feld hatte einst die Bezeichnung Ilenfeld, der steile Bergabhang heißt auch heute noch Lehmberg. Durch Lautwandel wurde aus Ilburg der heutige Ortsname.

Die Slawen zwischen Saale und Mulde gehörten spätestens Ende des 8. Jahrhunderts zu dem Stammesverband der Sorben (lat. sorabi sclavi). Vermutlich im 9. Jahrhundert errichteten sie die Burg Eilenburg, eine ringartigeBurganlage als Fliehburg auf einer kuppenartig ausgebildeten Randhöhe des Muldentales, die ein etwa 220 mal 150 Meter großes Plateau umfasste. Reste dieser Befestigung bilden die bis zu zehn Meter hohen Erdwälle auf dem Burgberg. Mit der Eingliederung der Gebiete zwischen Saale und Elbe unter den Königen Heinrich I. und Otto I. in das Ostfrankenreich wurde die Burg Mittelpunkt eines Burgwardes und damit Zentrum einer Grundherrschaft in der Region, zu der auch eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche gehörte. m Jahr 1000 befand sich der ursprünglich direkt dem König unterstehende Burgward, d. h. das gesamte Gebiet mit der Burg Eilenburg im Zentrum, in der Grafschaft des Grafen Friedrich I. aus dem Geschlecht der Wettiner. Die Wettiner übrigens bis 1918 (!) durchgängig über Burg, Stadt und Umland!

Wie auch in anderen Burgen im Gebiet der Mulde wie etwa  Wurzen  oder  Rochlitz dürfte sich bereits im 11. Jahrhundert eine Kaufleutesiedlung im Vorfeld der Burg entwickelt haben, die die Wurzel der späteren Stadt bildete. In einer am 30. April 1161 ausgestellten Urkunde wird erstmals eine parrochia in Ilburch, eine Pfarrei genannt. Am Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts erlebte die Burg einen repräsentativen Ausbau mit einer Ringmauer und mindestens zwei Türmen aus Backstein. Der sogenannte Sorbenturm (um 1200) und der Südwestturm der Burg (nach 1230) waren Wohntürme, die der Burgmannenbesatzung der wichtigen wettinischen Burg als Sitz gedient haben dürften. Ebenfalls in den Jahrzehnten um 1200 entstand auf dem zur Mulde hin gelegenen Terrain östlich der Burg eine planmäßige ovale Stadtanlage von 600 Metern Länge und 300 Metern Breite mit gitterförmigem Straßennetz.

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9.4.18 Hohengatow

Treff: 10:36 Uhr Bus-Hast. Helleberge (Bus X 34, zB 10:12 a S Messe Nord/ICC Richt. Kladow)

Dauer ca. 2 ½ Std.

Preis: 5,-€

Zwischen Gatower Heide und Havel gegenüber von Lindwerder, Helleberg und Waldschlucht. Hochwald und Eulengrund geht es rund um eine typische Waldstadtsiedlung der 1930er Jahre. Auch zu einzelnen Gebäuden und ihren Nutzungen und ursprünglichen Besitzern in der NS-Zeit erfährt man einiges.

Die Ortslage Hohengatow, ein Stück südlich des alten Dorfkernes von Gatow, entstand erst um etwa 1930 mit der planmäßigen Anlage einer Wald- und Gartensiedlung. Einige historische Hausanlagen, kleine Parks und Waldstücke, Grünanlagen, die Querschnitte der Straßen und Plätze sind heute noch erkennbar. Zu einigem kann man auf dem Rundgang etwas erfahren bzw. rekapitulieren.

Wir starten an der Bushaltestelle „Helleberge“, die kleine Erhebung westlich der Klaower Chaussee lassen wir zunächst unbeachtet. Wir überschreiten die Straße und erreichen kurz darauf den Hellebergplatz.

Das Haus „Kisse“ -1932/34 errichtet – ist das erste Berliner Baudenkmal auf der Strecke. Es geht dann durch die Straße Im Eulengrund. Im Bebauungsplan war das noch die Straße 6. Grundstück Nr. 6 gehörte dem Landwirt E. Beutel, weitere Häuser der Wohnungsbau AG Deutsches Heim. Am Eulengrund 17 wird auf ein Baudenkmal und zugleich bemerkenswertes Gartendenkmal hingewiesen – Haus und Garten der Villa Simon, 1936 entstanden und 1952 und 1967 umgebaut.

Hans Simon zeichnete für das Haus, Herrmann Mattern für den Garten verantwortlich. Karl Foerster und Herta Hammerbacher waren die Gartenarchitekten des gesonderten Gartens.

Die Straße Hochwaldsteig liegt in Hohengatow zwischen Im Eulengrund und Karlsbergallee. Die 1931 mit den weiteren Wegen in Hohengatow benannte Straße ist 1934 von der Kladower Chaussee abgehend noch als unbebaut aufgeführt. In der Berliner Denkmalsliste ist das Haus Wist, Hochwaldsteig 18, als Wohnhaus mit Garage aus dem Jahr 1937 (Architekt Karl J. Pfeiffer ) eingetragen. Bereits vor 1900 führte durch den hier bestehenden Forst (vor der Bebauung in Hohengatow) in Höhe vom Kleinen Breitehorn ein als Hochwaldstraße benannter Weg. Dessen Verlauf deckt sich allerdings nicht mit dem folgenden Hochwaldsteig, sondern führte von der Cladower Chaussee (1 km südlich vom Ortskern) zum Havelufer (Süd) durch das Waldgebiet von Hohengatow.

Wir erreichen den Breitehornweg. Die Straße liegt zwischen Kladower Damm und verläuft über den Waldschluchtpfad hinweg als Sackgasseweiter. Am 15. März 1939 erhielt die Straße 184 als Zufahrtsstraße zum 1938 erbauten „Auslandshaus der Hitlerjugend“ auf Antrag der NS-Organisation den Namen Am Auslandshaus (heute: „Haus Lenné“, Nordrand und Straßenland liegen im Ortsteil, die Südseite der Straße in Kladow gehört zum „LSG Gatow – Kladow -–Groß-Glienicke“. Oberhalb des bewaldeten Havelhangs am Ende des Breitehornwegs liegt das 1937–1938 erbaute frühere Auslandshaus der nationalsozialistischen Staatsjugendorganisation Hitlerjugend (HJ) eingebettet in die Flusslandschaft. Entworfen wurde es vom Reichsarchitekt für diese Art der Gebäude, Fritz Gerhard Winter, so auch das Auslandshaus in Hohengatow am Rande der Reichshauptstadt. Da es speziell für die Begegnung deutscher Jugendlicher mit jungen Menschen des Bündnispartners der Achse Berlin – Rom eingerichtet war, findet sich häufig „Italienhaus“. Mit dem Beginn der Bebauung in Hohengatow wurden Straßen benannt und angelegt, vorher führten hier durch das Waldgebiet bereits Wege, die sich nicht unmittelbar mit den heutigen Verläufen decken. Vor der heutigen Benennung wurde die Straße am Südrand der Siedlung Hohengatow als Am Auslandshaus geführt, im Adressbuch 1943 ist sie im Ortsteil Gatow aufgeführt, sie liegt zwischen Kladower Damm und Havel und ist nur mit dem Auslandshaus bebaut.

Nach dem Abstecher geht es zurück und durch den Waldschluchtpfad, Die Straße zwischen Breitehornweg und Karlsbergallee liegt in der Wohnsiedlung Hohengatow (auch als Gatow-Süd) und führt westlich und nördlich um das Krankenhaus Hohengatow (vormals: Geriatrische Klinik), das ab 1930 angelegt, 1996 geschlossen wurde und seither als Pflegeheim genutzt wird In Gatow sind einige als typisch nationalsozialistisch zu klassifizierende Bauten zwischen 1934 und 1945 entstanden: In Hohengatow Waldschluchtpfad 27 stand neben dem Auslandshaus das Lazarett und Erholungsheim der Organisation Todt von 1944 (heute: Wohnpflegezentrum) Mit dem Beginn der Bebauung in Hohengatow wurden Straßen benannt und angelegt, vorher führten hier durch das Waldgebiet bereits Wege, die sich nicht unmittelbar mit den heutigen Verläufen decken. Der Waldschluchtpfad (Post Bln.=Kladow) ist im Adressbuch 1943 zwischen Karlsbergallee und Forst angegeben. Auf der linken Seite ist ein unbewohntes Haus auf Nr. 1 und folgend Forst angegeben. Auf den Grundstücken der rechten Seite steht auf 12 das Wohnhaus des Architekten A. Nölte, in dem ein Chemiker, ein Obernautiker der Luftwaffe und ein Fliegerfeldwebel wohnen. Das Haus 16 gehört dem Fabrikdirektor G. Romann, der Eigentümer von 18 ist „ungenannt“, zudem sind Sommerhäuser auf den Grundstücken 2–6, 10, 14, 20, 22 vermerkt

Wir werfen einen Blick in die Karlsbergallee. Die Straße liegt zwischen Besingweg und Waldschluchtpfad und wurde vorher nichtamtlich als Haveldamm bezeichnet, da sie am westlichen Havelufer entlangführte. Drei östlich abgehende Zufahrtsstraßen tragen den gleichen Namen; zu den östlich gelegenen hinter diesen Grundstücken zur Havel hin liegt die Badewiese. Im Süden führt sie ins Pflegezentrum Haus Hohenstein. Das auf Grundstück Karlsbergallee 33b gelegene „Haus Dr. Taegen“ aus den Jahren 1935–1937 ist als Baudenkmal in der Berliner Liste enthalten.Mit dem Beginn der Bebauung in Hohengatow wurden Straßen benannt und angelegt, vorher führten hier durch das Waldgebiet bereits Wege, die sich nicht unmittelbar mit den heutigen Verläufen decken. Im Adressbuch 1931 wird erstmals in diesem Verlauf der Haveldamm genannt. Links (Süd nach Nord von Waldschlucht  (heute: Waldschluchtpfad) folgen auf ungerade nummerierten Grundstücken die Baustellen auf 1, 3 zurHochwaldstraße  heute: Hochwaldsteig) und 5–9 zu Waldesruh (heute: Besingweg). Rechts ebenfalls von Süd nach Nord liegen zwischen Privatweg und Weg zur Havel Baustellen auf Nummer 2 und 6–12 (gerade) und ein Neubau auf 4. Die heutigen Grundstücke sind 16–20, 30–34 (westlich, gerade) und 7–31 (ungerade), die auch unterteilt sind (13, 13c–13l, hinzu 18–18b, 21, 21a, 23a/23b, 23d, 25–25h, 27a–27f, 29–29c, 33b–33e, 35/35a). Für diese Wohnbauten auf der Hangfläche zwischen Karlsbergallee und Großer Badewiese bestehen drei Zufahrtswege mit Wendehammer von je sieben Metern Breite..

Jetzt geht es kurz hinunter zum Strand, mit Blick auf Havel, Grunewaldturm, doch vor der Großen Badewiese schon wieder hoch in den Hellebergweg. Auf dem Weg befinden sich 1934 nur Baustellen“. Anfangs bis 1931 als Havelallee im Adressbuch notiert, trug sie im Bebauungsplan zur „Siedlung Hohengatow“ die Bezeichnung Straße 1. In Gatow sind einige als typisch nationalsozialistisch zu klassifizierende Bauten zwischen 1934 und 1945 entstanden, dazu gehören die Offiziersmietvillen von 1937 für Angehörige der Luftwaffe auf dem Flugplatz Gatow entlang des Kladower Damms, des Hellebergewegs und des Uetzer Steigs. Die Gesamtanlage der Mietvillenanlage mit Garagen Hellebergeweg 21–27 und Uetzer Steig 10–20 aus dem Jahr 1937 ist in der Berliner Denkmalliste aufgenommen. Im Adressbuch 1932 ist der Verweis vom Anliegernamen Havelallee auf den neuen Namen enthalten. Mit dem Beginn der Bebauung in Hohengatow wurden Straßen benannt und angelegt, vorher führten hier durch das Waldgebiet bereits Wege, die sich nicht unmittelbar mit den heutigen Verläufen decken. Nach Passieren der beachtenswerten Mietvillenanlage geht es in den Havelmatensteig soiwe gleich in den Uetzer Steig. Der Havelmatensteig (Havelmathen – soviel wie feuchte Havelwiesen) verläuft zwischen Hellebergeweg und Uetzer Steig und schließt nordwärts als Sackgasse an die Grünfläche mit der Uferpromenade an. 1933 erstmals im Adressbuch sind 1934 auf der Feldmark vergebene Grundstücke und ein Neubau notiert. Die Straße trug vor der Benennung die Bezeichnung Straße 2 nach dem Bebauungsplan von Hohengatow. Das Gebäude Havelmatensteig 22, Haus Neitzke, ist in der Berliner Denkmalliste aufgeführt. Das Adressbuch 1943 nennt ab Hellebergeweg links ab Hellebergeweg die Grundstücke 1–21 alle mit Wohnhäusern bebaut, auf der rechten Seite 2–22 (gerade) stehen auf den vier Grundstücken (2–8) bis Uetzer Steig vier Wohnhäuser (8 ist unbewohnt), danach ist 10 mit einem Sommerhaus, 12 und 22 mit Wohnhäusern bebaut, die Straße endet an der Feldmark. Im Uetzer Steig gibt es auch mehrere interessante Grundstücke, man beachte insbesondere das von Heinrich Sander noch 1933 gestaltete „Haus Teich“. Leider hat der „kleine Italiener“ im „Knusperhäuschen“ heute geschlossen. Der kleine Waldsee führt derzeit leider auch kein Wasser. Nördlich der Siedlung Hohengatow befand sich die Hofstelle Havelmaten, heute befindet sich hier das Umweltbildungszentrum Berlin und an den Havelmaten bildete sich das interessante Projekt der neuen Bauerngärten heraus…..

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5.4.18 IN DEN HOHEN FLÄMING, WO ER AM HÖCHSTEN IST (VON BAD BELZIG BIS AUF DEN HAGELBERG)

Treffpunkt ab 8:45 auf dem Ostbahnhof. Fahrt im vorderen Zugteil, 1. oder 2. Einstieg– Abfahrt RE 7, Gleis 7 9:03 Ri. Dessau.
Bis Bad Belzig an 10:16,

Zur Erläuterung: Nach einigen Angaben (punkt 3!) ist der Zug an diesem Tage nämlich zwischen Berlin-Schönefeld und Ostbahnhof unterbrochen !

Rückkunft bis 18:00 bzw. 19:00 Uhr

Wegstrecke max. 6 km – zzgl. ggf. Weg in Bad Belzig/ggf. individuell

Preis 16,-€, inkl. Führung, Vorbereitung, Begleitung, Fahrkosten ab Bln-Ostbahnhof, „65 plus“- Ticket-Nutzer/innen zahlen 8,-€

Wer später zusteigen will, bitte rechtzeitig vorher anmelden, damit er/sie auf dem Ticket Berücksichtigung finden kann

 

Bad Belzig ist ein Solekurort. Zu Belzig gehört aber auch eine lange Geschichte, die man in der in den letzten Jahren zum Teil aufwändig erneuerten Altstadt nachvollziehen kann. Das kann man auch im Anschluss an unsere Rückkehr mit dem Bus vom Hagelberg tun, denn die Busse enden meist am Busbahnhof und von dort muss man entweder auf eine andere Verbindung zum Bahnhof warten oder man geht die ca. 1,5 bis maximal 2 km gemütlich durch die Stadt. Ich habe allerdings auch vor später noch einmal mit einer Stadtexkursion hierher zurückkehren….

Heute geht es vom Bahnhof aus vorbei am Burgbrauhaus mit der davor stehenden schönen Postdistanzsäule aus der sächsischen Zeit zur Burg Eisenhardt, allerdings nicht auf dieses Gelände mit der historischen Kapelle sondern weiter auf den markierten Terrainkurwegen, bis wir schließlich ein Stück dem Internationalen Kunstwanderweg folgen.

Es sind aber auch Objekte mit regionalem Bezug, wie zum Beispiel die Skulptur „Die weiße Frau“, nach einer Sage von einem Künstler aus dem benachbarten Dippmannsdorf gestaltet.

Unterwegs gibt es eine Erinnerungsstätte an das KZ-Außenlager Belzig-Roederhof. In der Nähe des schon bestehenden Zwangsarbeiterlagers Roederhof errichteten 1943/44 örtliche Baubetriebe ein Barackenlager, in das im August 1944 die ersten Häftlingsfrauen einzogen. Vorhanden waren vier Wohnbaracken, eine Wirtschaftsbaracke mit Bunker, ein Krankenrevier und Toiletten mit Waschanlage, alles umzäunt von einem elektrisch geladenen Stacheldrahtzaun. Die Anlage war für 750 Häftlinge ausgelegt. Bei der ersten Belegung kamen aus dem KZ Ravensbrück 250 Polinnen, 200 Frauen aus der Sowjetunion, 140 Belgierinnen, 75 Französinnen und einzelne Frauen aus Tschechien, Jugoslawien, Italien, Ungarn, Großbritannien und dem Deutschen Reich.

Die Frauen mussten in zwölfstündigen Schichten für die Munitionsfabrik Roederhof arbeiten. Diese gehörte zum Metallwarenwerk Treuenbrietzen des Kopp & Co. Konzerns in Berlin. Hauptprodukte waren Munition für die 2-cm-Vierlingsflak, sowie für Flugzeugbord- und Panzerabwehrkanonen

Die Zahl der Toten ist nicht mehr genau feststellbar. In einer nach dem Krieg durchgeführten Vernehmung, gab der ehemalige Lagerleiter an, das ungefähr 50 bis 60 Frauen an Schwäche und Krankheit verstorben seien. Die Toten seien in das Krematorium in Brandenburg an der Havel gebracht worden. Ab Januar 1945 bestattete man die Verstorbenen auf dem Belziger Gertrauden-Friedhof. Dort allein sind zwischen 150 und 200 Häftlingsfrauen begraben worden. Alle zwei bis drei Wochen kamen neue Häftlingsfrauen aus dem Hauptlager um die Verstorbenen zu ersetzen.

Am 24. April 1945, aufgrund der nahenden Front, sollten 600 Häftlingsfrauen unter Zurücklassung von 72 Kranken in die Nervenheilanstalt Brandenburg-Görden marschieren. Aufgrund der Erschöpfung der Frauen kamen sie aber nur bis zumTruppenübungsplatz Altengrabow. Nachdem sich die meisten SS-Aufseherinnen nach Richtung Westen abgesetzt hatten, trafen am 3. Mai 1945 US-amerikanische Soldaten in Altengrabow ein.

Gegen den ehemaligen Lagerleiter Gerhard Lehmann ermittelte 1974 die Staatsanwaltschaft Köln, stellte das Verfahren jedoch ein.

Margot Pietzner, die als SS-Aufseherin tätig war, verurteilte ein sowjetisches Militärgericht zum Tode. Das Bezirksgericht Halle wandelte diese Strafe in eine zehnjährige Zuchthausstrafe um. Im Jahre 1956 kam sie nach einer Amnestie frei. Im März 1993 wurde sie, nach Antrag, als Opfer des Stalinismus, anerkannt und bekam eine Entschädigung von 64.350 DM. Im Jahre 1996 wurde der Anerkennungsbescheid aufgehoben und das Geld zurückverlangt!

Auf dem ehemaligen Lagergelände, das jetzt teils Wald- oder Freifläche ist, steht seit 1965 ein Gedenkstein.

Aber auch naturräumlich hat unser sanfter Aufstieg einiges zu bieten, ein Teil des Springbachtales, die Burgwiesen, der Grüne Grund und schließlich nach der Durchquerung des kleinen, geschichtsträchtigen Dorfes der „Gipfel“ des Hagelbergs selbst, mit 200,24 m/NN –offiziell mit 201 m bezeichnet- immer wieder mal als die höchste Erhebung Brandenburgs bezeichnet (die Heidehöhe und der Kutschenberg am Schraden sind aber mit nachgewiesenen 201 m geringfügig höher, da war immer der Streitpunkt ob der Gipfel selbst noch in Brandenburg oder schon in Sachsen liegt….)

Hagelberg als Dorf ist aber mit Sicherheit der höchstgelegene Ort in Brandenburg, um Orte ähnlicher Höhe zu finden, muss man schon in die Mittelgebirge fahren.

Woher stammt der Name – ein kurzer Exkurs in die Besiedlungsgeschichte der Gegend: Das slawische Wort Chabua, aus dem sich der heutige Name  Hagelberg gebildet hat, bezeichnete ursprünglich nicht die höchste Erhebung des Höhenzugs, sondern den Hohen Fläming insgesamt, zumindest den Fläming im Bereich um den Hagelberg. In dem ersten überlieferten schriftlichen Vermerk, einer Urkunde aus dem Jahr 1009, findet sich die Wendung cum … Chabua montibus. Die Rede ist also von  Bergen. Der Name aus dem slawischen Chabov abgeleitet, könnte auch Berge, die mit Gestrüpp bewachsen sind, bezeichnen. Das Dorf Hagelberg erhielt seinen Namen nach dem Berg. Die Siedler aus dem deutschsprachigen und flämischen Raum, die im Zuge des Landesausbaus im 12. Jahrhundert in den Fläming kamen, formten die slawischen Bezeichnungen in ihnen bekannte Wörter um. Das unbekannte Wort Chabua stellten sie zum Vogelnamen  Habicht  (mittelniederdeutsch havek), das später wiederum zu Hagel gestellt wurde. Als in der  mundartlichen  Entwicklung das vaus havek weggefallen war und sich die anschließende Mundartform Haalberg der Mundart des Flusses Havel = haale (und der Stadt Havelberg) immer mehr annäherte, ersetzten die seinerzeit sächsischen Ämter das verschwundene v durch ein g. Damit wurde in der amtlichen Namensform hyperkorrekt eine klare Abgrenzung getroffen und mit Hagel gab es wieder einen bekannten Begriff, der zudem im Mittelniederdeutschen als Haal gesprochen wurde. Einen inhaltlichen Bezug vom Hagel zum Hagelberg gibt es nicht. Nach der slawischen Bergbezeichnung Chabua von 1009 sind folgende Ortsnamen überliefert: 1385 czu hauesberge, 1419/20 hauelsberg, 1669 Hagelsberg, 1802 Hagelberg (mundartlich Halbärch, Haalbärch). Hauptgegenstand in und um Hagelberg ist aber natürlich die Geschichte um die historische „Schlacht von Hagelberg“ am 27. August 1813.

Die Bergspitze mit dem Gipfelkreuz, einem Gipfelbuch und einer großen Informationstafel zur Schlacht liegt am Ortseingang aus Richtung Klein-Glien auf der Westseite gleich neben der Straße, während sich das neue Hagelberg-Denkmal aus dem Jahr 1955 gegenüber auf der Ostseite der Landstraße befindet. Die Hilfe der Kosaken in der historischen Schlacht bot der DDR-Führung einen willkommenen Anlass, die Waffenbrüderschaft mit dem großen Bruder  Sowjetunion in diesem zweiten Denkmal zu bekräftigen; die Inschrift lautet:  Zur Erinnerung an die deutsch-russische Waffenbrüderschaft im Gefecht bei Hagelberg am 27. August 1813.

Das alte, heute stark veränderte Hagelbergdenkmal des Bildhauers August Julius Streichenberg, das König Friedrich Wilhelm IV. 1849 eingeweiht hatte, zeigt auf einer von dem Berliner Bildhauer Martin Meyer-Pyritz geschaffenen zentralen Bronzeplatte das Konterfei des preußischen Generals Karl Friedrich von Hirschfeld, der in der Schlacht 3000 preußische Soldaten und die anfangs vielbelächelte märkische Landwehr (Napoleon: Canaille) mit 8500 Mann befehligt hatte. Die Südseite trägt die zweizeilige Inschrift 27. August | Gefecht bei Hagelberg und der auf dem Monument thronende Findling (anstelle der dort ursprünglich befindlichen Borussia) die Gravur der Jahreszahl 1813.

Das alte Denkmal folgt nach rund siebenhundert Metern auf der Westseite der Landstraße Richtung Lübnitz auf einem Nebenhügel. Daneben finden sich über die Hügel und das Dorf verstreut verschiedene Wegweiser und Hinweisschilder auf Einzelaspekte der Schlacht wie beispiels-weise Rückzug franz. Truppen in Richtung Lübnitz, Verfolgung durch Kosaken oder Schlacht von 1813, Friedhofsmauer und 8500 Landwehrmänner (meistens Bauern) griffen von hier aus am 27.8.1813, 14.00 Uhr an. Der Höhepunkt der damaligen Ereignisse war aber die sogenannte „Kolbenschlacht“, zu der es direkt im Dorf in Höhe des Dorfteiches ab 17 Uhr gekommen war und auf die ein Schild hinweist.

Die Schlacht um Hagelberg – weitere gab es in der Gegend zwischen Fläming, Elbe, Dübener Heide – gehörte zu den letzten großen Vorentscheidungen im Vorfeld der „Völkerschlacht“ bei Leipzig, hier traten erstmals preußische Soldaten, die neu geschaffene Landwehr und russische Kosaken gemeinsam auf und vernichteten Napoleons Korps von 10000 Soldaten bis auf etwa 3000 Mann.

Leider kann man hier oben nicht einkehren, wir fahren mit dem Linienbus nach Bad Belzig zurück und dort besteht die Möglichkeit abschließend zu rasten oder den Tag individuell ausklingen zu lassen,.

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26.3.18 Rund ums alte Berliner Zeitungsviertel in der südlichen Friedrichstadt

Treff: 10:30 Uhr auf U-Bahnhof Kochstraße (U 6)

Dauer ca. 2 ½ Std.

Preis: 5,-€

An der Kreuzberger Kochstraße, jetzt hier Rudi-Dutschke-Straße, stehen sich die Axel Springer AG und die tageszeitung (taz) im traditionsreichen Zeitungsviertel gegenüber. Im Kaiserreich ließen die Zeitungszaren Leopold Ullstein, Rudolf Mosse und August Scherl hier erstmals in Deutschland Blätter für ein Massenpublikum drucken. Diese Verlagsimperien und an die hundert Redaktionen, größere und kleinere Druckereien und grafische Betriebe bildeten den Kern der Zeitungsstadt Berlin. Sie sorgten für Betrieb rund um die Uhr in den Straßenzügen der südlichen Friedrichstadt….

Aber auch Hunderte von Druckereien, Klischeeanstalten, Buchbindereien und Schriftgießereien konzentrierten sich hier. Die unmittelbare Nähe zu den politischen Entscheidungszentralen und zum Anhalter Bahnhof mit dem kaiserlichen Postzeitungsamt machten das Quartier für die Zeitungsunternehmen außerordentlich attraktiv. Der zentrale Standort sorgte zudem für einen direkten Draht zum Berliner Publikum, das bei wichtigen Ereignissen zu Tausenden in das Viertel stürmte, um schnell an die kostenlos verteilten Extrablätter zu gelangen.

An Rundfunk oder gar Fernsehen war damals ja noch nicht zu denken!

Der Ullstein-Verlag war im Kaiserreich und in der Weimarer Republik der größte deutsche Zeitungs- und Zeitschriftenproduzent. Er hatte seit 1881 seinen Sitz in der Kochstraße. Bei Ullstein erschienen unter anderem das Neue Berliner Tageblatt, die Berliner Morgenpost und die B.Z. am Mittag sowie die überaus erfolgreiche Berliner Illustrierte Zeitung. Seit 1914 leitstete sich der Verlag mit der Übernahme der altehrwürdigen Vossischen Zeitung ein „publizistisches Schmuckstück“.

Zwei Blocks weiter nördlich an der Jerusalemer Straße/Schützenstraße erschien bei „Mosse“ das deutschlandweit viel gelesene Berliner Tageblatt. Der langjährige Chefredakteur Theodor Wolff sorgte für dessen Qualität.

Noch heute gibt es einen Preis seines Namens und außerdem einen kleinen Platz an der Friedrichstraße.

In der Zimmerstraße wiederum verlegte August Scherl den Berliner Lokal-Anzeiger, aber auch „Der Tag“, „Die Woche“, „Die Gartenlaube“ und „Sport im Bild“.

Qualität hatte aber seinen Preis und Scherl überhob sich finanziell und Alfred Hugenberg, später einflussreichster Gegner der Weimarer Republik und Steigbügelhalter Hitlers, übernahm 1916 das Unternehmen.

Vielleicht symbolisch steht heute Springer zum Teil auf diesem Grundstück und der Hautpeingang zu „Springer“ ist jetzt hier hinten (dem Vernehmen nach auch, damit „Springer“ nicht unter Rudi-Dutschke-Straße addressieren muß!).

In der Weimarer Republik wurde im „Zeitungsviertel“ die Parteipresse aller Coleur redigiert und gedruckt, der sozialdemokratische „Vorwärts“, Willi Münzenbergs „Arbeiter Illustrierte Zeitung“, die Naziblätter wie „Völkischer Beobachter“ und „Stürmer“, aber auch das bürgerliche Feuilleton und der Fotojournalismus blühten, selbst die liberalen Titel von Ullstein und Mosse hatten wachsende Auflagen, die Berliner Illustrirte Zeitung verkaufte Ende der 1920er Jahre zwei Millionen Exemplare.

Doch dann kam die Machtübertragung an die Nazis, ihr folgte binnen Wochen und Monaten die Gleichschaltung der Presse, unliebsame sowie jüdische Verleger und Journalisten erhielten Berufsverbot, Theodor Wolff sowie die Familien Ullstein und Mosse verließen Deutschland. Der Ullsteinverlag wurde 1934 weit unter Wert an Max Winklers goebbelnahe Cautio GmbH verkauft, ein Jahr zuvor hatte der bereits den insolventen Mosse-Verlag übernommen, auch Hugenbergs Imperium kam endgültig unter NS-Kontrolle.

Dann kamen die weiträumigen Zerstörungen des Krieges in dem Gebiet, allein eien Druckerei in der Zimmerstraße blieb unzerstört, hier war der Völkische Beobachter gedruckt worden und die Gestapo betrieb hier einen Folterkeller, auf Geheiß der SMAD wurde hier schon eine Woche nach der Befreiung die „Tägliche Rundschau“ gedruckt, später befand sich hier direkt an der „Mauer“ die Druckerei Neues Deutschland.

Die Teilung der Stadt bedeutete nach der Kriegszerstörung das Ende des historischen Zeitungsviertels – trotzdem gibt es heute noch beiderseits einige interessante Entdeckungen, auch unabhängig vom eigentlichen Thema – der Entwicklung des alten Zeitungs- zum modernen Medienviertel…..

Zitiert nach: „Vom Zeitungsviertel zum Medienquartier“ Rund um die Kochstraße (Initiative Historisches Zeitungsviertel, c/o Museum für Kommunikation Berlin, Flyer. O.,J.)

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22.3.18 Berliner Stadtwanderung IV. AUF WALTER LEISTIKOWS SPUREN ENTLANG DER GRUNEWALDSEENKETTE I – WINTER AM SCHLACHTENSEE UND DER KRUMMEN LANKE

Achtung! In der Online-Version kommen die Bilder nicht!

Treffpunkt/Start: auf dem S-Bahnhof Schlachtensee (S 1) 10:30 Uhr

Wegstrecke: ca. 8,5 km bei gemütlichem Tempo, mit Pausen

Preis inkl. Führung 5,-€

In der Tat – es ist überraschenderweise noch Winter und deshalb müssen wir etwas improvisieren…

Den Kaiser Wilhelm II. brachte Walter Leistikow mit seinen zahllosen Darstellungen von mit Kiefern gesäumten Seen auf die Palme: «Er hat mir den ganzen Grunewald versaut», wetterte Wilhelm II. mit Bezug auf das Berliner Naherholungs-Gebiet, das sich um 1900 zum Villen-Vorort entwickelte. Doch der Maler scherte sich nie um monarchische Wertschätzung. 1908 kommentierte er im «Berliner Lokal-Anzeiger» ein letztes Mal die ästhetische Selbstüberschätzung eines Herrschers, den er verachtete: Der Dom, Wilhelms liebstes Neubau-Projekt, sei der «Schrecken eines jeden Europäers» und Berlin nicht nur städtebaulich dem Untergang geweiht.

«Es ist alles zu Ende! Ich auch.», schrieb Leistikow – und kam seinem nahenden Syphilis-Tod mit einem Pistolen-Schuss zuvor.

Walter Leistikow erschoss sich am 24. Juli 1908 während eines Aufenthalts im Sanatorium Hubertus in Berlin-Schlachtensee im Endstadium seiner langjährigen Syphilis-Erkrankung. Nach einer großen ehrenvollen Trauerfeier im Berliner Secessionsgebäude wurde er auf dem Friedhof Steglitz beigesetzt.

Seinem Ehrengrab haben wir im vorigen Jahr bereits einen Besuch abgestattet.

Und wie war das mit Leistikow und dem Kaiser?

Zunächst hatte man den Maler an der Hochschule für bildende Künste wegen Talentlosigkeit entlassen. Dann arbeitete er sich doch empor und wurde zum zeitweise beliebtesten Maler Berlins.

Und dann kam eine Ausstellung….

 

 

Abendstimmung am Schlachtensee

 

Märkischer See bei Sonnenuntergang. Inspiriert möglicherweise von seinem

Grunewaldsee-Motto

Waldsee im Winter – passt eher zum heutigen Programm

 

Seine Majestät war ganz und gar nicht amüsiert. Erst verstopfte ihm dieser impertinente Museumsdirektor Hugo von Tschudi die Räume der Nationalgalerie mit französischen Impressionisten. Und dann wagte es der Kerl auch noch, ihm bei einer Museumsvisite, kaiserlichen Einwänden vorgreifend, Walter Leistikows vermaledeiten „Grunewaldsee“ zu präsentieren. Leistikow selbst – man hatte es ihm zugetragen – wusste zu berichten, der Kaiser habe ihn einen „Anarchisten“ geschimpft, „den ganzen Grunewald hat er versaut“.

Der 1865 in Bromberg (heute: Bydgoszcz), Provinz Posen, geborene Leistikow war 1883 nach Berlin gekommen, um sich hier zum Maler ausbilden zu lassen, fand sich in dem konservativ-akademischen Kunstbetrieb aber nicht zurecht und wurde nach einem halben Jahr aus der Hochschule für bildende Künste entlassen – wegen angeblichen Talentmangels. Seinen Drang zur Malerei bremste das nicht, er fand Privatlehrer, begann nach der vierjährigen Ausbildung seine Arbeiten in der Königlichen Akademie der Künste auszustellen, wurde bald selbst Lehrer und mit Landschaftsbildern ein gefragter Künstler.

Und er fand schnell Anschluss an damals junge Intellektuelle wie Gerhart Hauptmann oder Theodor Wolff – mit beiden verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Dass ihn auch Künstler-Konkurrenten wie Lovis Corinth oder Max Liebermann schätzten, lag vor allem an seinem Freigeist, Gestaltungswillen und der Respektlosigkeit gegenüber höfischem Establishment. Den Akademie-Präsidenten und Hof-Maler Anton von Werner machte Leistikow sich zum Feind, als er gegen die verkrusteten Jahres-Ausstellungen opponierte.

Er gründete 1892 gemeinsam mit Liebermann und neun weiteren Künstlern die Gruppe «Vereinigung der XI», sozusagen den Prototyp einer Produzenten-Galerie. Deren Erfolg ermutigte Leistikow, 1898 die «Berliner Secession» ins Leben zu rufen: Sie konnte bald ihr eigenes Haus am Kurfürstendamm eröffnen. Zwei Jahre später engagierte er sich mit Harry Graf Kessler für die Gründung des «Deutschen Künstlerbundes».

Seine weit reichenden Kontakte in die Kunstwelt spiegeln sich in Leistikows Malerei kaum wider. Er schuf weder Porträts noch Stadt-Ansichten oder Genre-Darstellungen, sondern kommunizierte über die Landschaft, besonders die brandenburgische.

Mit der Akademiemalerei hatten die Bilder wenig gemein, und eines der Werke, das 1895 entstandene, den Kaiser so ärgernde „Grunewaldsee“, wurde zur Initialzündung für den Bruch in der hiesigen Kunstszene, die Gründung der Berliner Secession im Mai 1898. Sie hatte sich allmählich angedeutet: Sechs Jahre zuvor war die Vereinigung der XI gegründet worden, ein Zusammenschluss moderner Künstler, die sich neue Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten für ihre vom etablierten Kunstbetrieb ignorierten Arbeiten versprachen. 1892 war auch das Jahr der Munch-Affäre, als die Ausstellung des norwegischen Malers beim Verein Berliner Künstler auf Initiative des Vorsitzenden Anton von Werner vorzeitig beendet wurde – nach einer Kampfabstimmung mit knapper Mehrheit. Aber den letzten Anstoß zum Bruch in der Berliner Künstlerschaft gab Leistikows „Grunewaldsee“. Der Maler wollte das Gemälde 1898 auf der Großen Berliner Kunstausstellung zeigen, die Jury lehnte es ab. Wenige Monate später wurde die Berliner Secession gegründet, mit Leistikow als „Vater“ und „treibender Kraft“, wie Liebermann sagte, und ihm selbst als Präsidenten.

Die Aversion des Kaisers gegen Leistikows Werke hat dem Maler nicht geschadet. Das umstrittene Gemälde kaufte der Bankier und Mäzen Richard Israel und schenkte es 1898 der Nationalgalerie, wo es noch heute hängt.

Und auch um den Kaiser wohl etwas zu provozieren, rief Walter Leistikow aus: Die Welt will von mir Grunewald, die Welt soll Grunewald von mir kriegen.

Oben sehen wir einige Beispiele…

1905 ließ die Zeitschrift „Die Woche“ den beliebtesten Maler Berlins ermitteln, Leistikow kam auf Platz 2 – nach Menzel. Damals war er schon schwer an Syphilis erkrankt, hatte mit immer heftigeren Krankheitsschüben zu kämpfen. Die Lage wurde für ihn immer hoffnungsloser, und am 24. Juli 1908, während eines Aufenthalts im Sanatorium Hubertus in Schlachtensee, erschoss er sich (siehe oben).

Zitiert nach: Andreas Conrad, tagesspiegel

Wir setzen unsere Wanderung zu einer anderen Jahreszeit gern später einmal fort..

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19.3.18 Bösemüllers Stadtspaziergänge BERLINER KIEZE – BERLINER GESCHICHTE/N Neu-Weißensee

Treff: 10:30 Uhr Bus-Hst. Woelckpromenade (Bus 158, 255, zB. Ab S+U Pankow 10:07, an 10:22)

Dauer ca. 2 Std.

Preis: 4,-€

Bitte bis spätestens 12.3.18 anmelden oder spontan nachfragen!

Weißensee war ja im vorigen Jahr schon einmal Gegenstand eines Rundgangs, bei dem es insbesondere um Spuren des jüdischen Lebens ging. Letzteres werden wir in diesem Jahr zum späteren Zeitpunkt nochmal im Zusammenhang mit dem sogenannten „Französischen Viertel resp. Komponistenviertel mit dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee aufgreifen.

Doch eine Ausnahme gibt es – Jürgen Kuczynski, den ich bei unserem vorjährigen Rundgang gewürdigt hatte und der von 1950 bis zu seinem Tode 1997 an der Parkstraße 94 wohnte, erhielt mittlerweile eine Würdigung durch eine symbolische Platzbenennung einer Grünfläche  an der Pistoriusstraße und Woelckpromenade, unmittelbar neben dem Frei-Zeit-Haus und dem Kreuzpfuhl. Und in der Tat: hier befinden wir uns mitten im „Zentrum“ von Neu-Weißensee. Das Gemeindeforum und die Wohnhäuser Woelckpromenade 2 – 7, auch bekannt unter Munizipalviertel, sind eine auch heute noch anerkannte städtebauliche und architektonische Meisterleistung des Architekten Carl James Bühring. Das Zentrum erhielt rund im den Kreuzpfuhl eine Stadthalle (das Casino der Stadthalle ist das heutige Frei-Zeit-Haus), die im Krieg zerstört wurde, die Beamtenwohnhäuser (Pistoriusstraße 24 – 24 b) ein Gymnasium (heute Teil des Primo-Levi-Gymnasiums), die Wohnbauten Woelckpromenade 2- 8, das Ledigenwohnheim (Woelckpromenade 1/ Pistoriusstraße 17), die Gemeindepumpstation und das Verwaltungsgebäude des Pumpwerkes mit Gemeindebibliothek (Pistoriusstraße 127)

Die Bethanienkirche auf dem Mirbachplatz wird 1902 von Kaiser Wilhelm II und Kaiserin Auguste Viktoria eingeweiht. 1906 wurde das Amtsgericht, erbaut „im Stile deutscher Renaissance mit gotischen Motiven“, eingeweiht. Doch Anträge auf Erteilung des Stadtrechtes scheitern zweimal…

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15.3.18 POTSDAM – ZWISCHEN KIEWITT UND SANSSOUCI. POTSDAMS WESTEN (Potsdam-West und Brandenburger Vorstadt)

Treffpunkt/Start: Neu schon zur Abfahrt des RE 1 9:54 ab Ostkreuz Gl. 2, Richt. Magdeburg, wegen Bauarbeiten fahren nicht alle Züge in der Relation, Potsdam-Hbf Umstieg auf RB 20/21/22 etc. Ankunft Bf. Charlottenburg 10:49. Rückfahrt jederzeit möglich!

Dauer vor Ort mit Besichtigung Erlöserkirche ca 3 – 3 ½ Std.

Preis inkl. Führung: 5,-€

Fahrkosten (ggf. Berlin ABC) und Verpflegung individuell, Einkehr am Schluss möglich

Potsdam-West bezeichnet im engeren Sinne die zu DDR-Zeit entstandenen Neubauten auf dem „Kiewitt“, einer Halbinsel an der großen Havelbucht. Aber südlich des ehemals gleichnamigen Bahnhofs (der seit einigen Jahren unter „Potsdam Charlottenhof“ firmiert) befinden sich auch interessante Wohnanlagen aus der „Zwischenkriegszeit“ und im übrigen finden sich hier „attraktive Altbauquartiere mit großzügigen Wohnungen und gepflegten Vorgärten“, wie das Potsdamer Stadtmarketing schreibt.,…

Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir uns sicher noch einmal dem Gebiet, insbesondere dem Uferwanderweg an der Havel zuwenden….

Nähere Beschreibung ggf. den aktuellen „Informationen“ entnehmen.

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12.3.18 Bösemüllers Stadtspaziergänge Die Straßen Berlins Heute: Die Kastanienallee zwischen Prenzlauer Berg und Mitte

Treff: auf dem U-Bahnhof Eberswalder Straße (U 2) 10:30

Dauer ca. 2 Std.

Preis: 4,-€

 

„Erwin Bösemüller“ entführt Sie in alle Ecken und Enden Berlins. Unser Bummel führt durch die Kastanienallee beginnend am nördlichen Ende, „Ecke Schönhauser“, gleich mehrfach ein Stichwort für Filmgeschichte, geht vorbei am „Prater“, an alten Höfen und neuen Läden, und schon wieder legendärer Geschichte als Flanier- und Castingmeile, schließlich die Schwedter Straße querend, jetzt schon in „Mitte“…

Wir treffen uns auf dem U-Bahnhof Eberswalder Straße. Die Hochbahngesellschaft hatte ihn am 27. Juli 1913 unter dem Namen „Danziger Straße“ eröffnet. Im Jahr 1905, drei Jahre nach Inbetriebnahme der ersten Hochbahnstrecke Berlins forderte die damals noch selbstständige Landgemeinde Pankow einen Anschluss an das Netz. Nach Ausarbeitung eines konkreten Linienverlaufs wurde im März 1910 die Genehmigung zum Weiterbau der Centrumslinie vom U-Bahnhof Spittelmarkt aus über den Alexanderplatz und entlang der Schönhauser Allee bis zum Nordring genehmigt.

Ursprünglich wollte man unterirdisch bauen, das hätte jedoch die Grundstückspreise exorbitant in die Höhe getrieben, so dass man daher die Hochbauvariante – wie auch in Schöneberg- wählte.

Aus Kostengründen blieb man auch bis Ende der 20er Jahre bei der Führung bis zum Nordring, dem heutigen Bahnhof Schönhauser Allee. Die schon anfangs von Pankow geforderte Durchbindung bis ins Pankower Zentrum (also z.B. Pankow, Kirche) kam bis heute nicht zustande.

1950 wurden Straße und Bahnhof nach Georgi Dimitroff benannt, dem 1949 verstorbenen bulgarischen KP-Chef, der in der DDR vor allem auch wegen seines Auftritts im Reichstagsbrandprozess geehrt wurde, während seiner Rolle als einer der engsten Verbündeten Stalins keine Rolle spielte.

Nach der Wende sollte eine Rückbenennung der gesamten Dimitroffstraße erfolgen. Die damaligen (Ost-)Berliner Verkehrsbetriebe (BVB), die sich dementsprechend an den Beschluss zu halten hatten, gingen daher schon 1990 den Umweg und benannten die Station kurzerhand nach der Eberswalder Straße, der westlichen Verlängerung der Dimitroff- bzw. Danziger Straße. Der Name setzte sich nur langsam durch, zum Teil sprechen die Anwohner im Ortsteil immer noch vom „U-Bahnhof Dimitroffstraße.

Wie auch immer, der Berliner spazierte unter dem „Magistratsschirm“ genannten Viadukt und pünktlich mit der Fertigstellung der Bahn über Nordring hinaus 1930 eröffneten Max und Charlotte Konnopke den heute noch bestehenden legendären Imbiss.

Unser weiterer Weg durch die Kastanienallee ist von etlichen historischen Bauten, die überwiegend noch aus dem letzten Drittel des neunzehnten Jahrhunderts bestanden. Auch in der Eberswalder sehen wir kurz noch einige mit zum Ensemble gehörende Gebäude. Manches ist auch ein wiederhergestelltes Kleinod, so der Fourage-Hof, das Grundstück des Prater, die Messiaskapelle, in die selbst wir leider nicht hineinkommen, einige Fabrikgebäude auf Höfen, auch einiges Beachtliche in Nebenstraßen wie der „Oderberger“ und der „Schwedter“…

Blicken wir zurück in die Geschichte der markanten und bekannten Straße:

Es war der Grundbesitzer Wilhelm Griebenow, der 1826 eine Allee in Verlängerung des Weinbergswegs anlegen und mit Rosskastanien anlegen ließ. Er stellte damit eine Verbindung zur Chaussee nach Pankow-Schönhausen, der späteren Schönhauser Allee, her, über die schon einst Goethe bei seinem einzigen Berlin-Besuch gefahren ist, als es ihn hinaus nach Tegel zog…

Am nördlichen Ende der Kastanienallee wurde Kinogeschichte geschrieben, wobei es hier nicht um den bekannten Film „Berlin Ecke Schönhauser“ geht, der hier 1957 gedreht wurde. 65 Jahre zuvor drehte hier ein gewisser Max Skladanowsky seinen Bruder Emil bei gymnastischen Übungen im Atelier, die wohl erste Filmaufnahme der Weltgeschichte überhaupt, die allerdings im Original verschollen ist. Und 1896 drehte er dann von oben aus seiner Dachluke erstmals die Straßenkreuzung, damals noch ohne Hochbahn.

Und dass sich mit dem „Lichtblick“ ein kleines Programmkino im ältesten Gebäude der Straße befindet, in der Kastanienallee 77 1852/53 vom Dampfsägewerksbesitzer Arnheim erbaut, das Vorderhaus nach anderen Angaben bereits 1848, passt zum historischen Nimbus der Straße. Natürlich auch der Prater, dessen Geschichte wir ja schon bei unserer Schönhauser Allee-Runde am 19. Dezember 2016 gestriffen haben.

An Griebenow erinnert heute noch eine Straße, die uns „hinten herum“ von der „Schwedter“ zur Zionskirche führt, wo wir nun doch zu einer kleinen Besichtigung eingeladen sind.

Wie schon unterwegs an konkreter Stelle wird hier das Leben und Wirken von Dietrich Bonhoeffer gewürdigt. Die Zionskirche entstand hier oben 1873, weil die Elisabethkirche sich auf Dauer als zu klein erwies. Der

Architekt des vom preußischen König und späteren deutschen Kaiser Wilhelm I. als Votivkirche gestifteten Baus ist August Orth. Aus Dankbarkeit, einem Attentat in Baden-Baden entgangen zu sein, stiftete im Jahr 1861 der damalige König und spätere Kaiser Wilhelm I. 10.000 Reichstaler für den Bau einer Kirche in dem damals noch zur St.-Elisabeth-Gemeinde gehörenden, aber im Zuge des Baus des Wilhelminischen Rings schon dicht besiedelten Gebiet. Nach einigen Auseinandersetzungen zwischen dem Berliner Konsistorium und dem Magistrat v on Berlin konnte 1866 mit dem Bau begonnen werden. Wegen Geldmangel ruhten die Bauarbeiten ab Ende 1868, doch eine weitere Stiftung des Königs ermöglichte 187 2 die Fertigstellung der Bauarbeiten. Die Kirche ist im Stil der Neoromanik errichtet, als Backstein-Terrakotta-Bau im Stil des Berliner Historismus mit gelben Blendsteinen aus der Cement- und Tonwarenfabrik Hermsdorf. Sie hatte 1424 Sitzplätze, 562 davon auf der Empore. Die Baukosten (ohne Grundstück und Bauleitung) lagen bei 37 3.364 Mark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund 2.613.000 Euro). Am 2. März 1873 wurde die Zionskirche in Gegenwart des Kaisers durch Generalsuperintendent Bruno Brückner feierlich eingeweiht.

Näheres, auch zur Rolle dieser Kirche in der ausgehenden DDR-Zeit vielleicht während der kleinen Führung oder im Nachgang.

Abschließend gibt es – wieder zurück auf der Kastanienallee – mehrere Möglichkeiten zum Einkehren und Aufwärmen.

Die Zionskirche steht auf dem höchsten Punkt des alten Berlin auf dem „Gipfel“ des einstigen Weinbergs. Hierher kehren wir ja in diesem Jahr zum Thema „Berliner Weinberge“   noch einmal her.

Man könnte zu Fuß oder mit der Straßenbahn zum U-Bahnhof Eberswalder zurückkehren oder den Weinberg hinunter zum U-Bahnhof Rosenthaler Platz oder weiter zum S-Bahnhof Hackeschen Markt gelangen (Tram M1).

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